DVD / BLU-RAY TIPP

Für den verregneten Sommertag mit Kindern empfehlen wir: „Rico, Oskar und die Tieferschatten“

Bild (c) 20th Century Fox Deutschland.

Bild (c) 20th Century Fox Deutschland.

Des deutschen liebstes Kind ist …? Das Auto. Immer noch. Das ist bekannt. Doch Apropops Kind, was ist mit dem eigenen Kind? Mit unseren Kindern? Zahlreichen Studien zufolge halten nur wenige Deutsche ihr eigenes Land für kinderfreundlich. Erst jüngst hat eine BAT-Studie verdeutlicht, wie es bei uns in Punkto Kinderfreundlichkeit im europäischen Vergleich aussieht: vorletzter Platz in Europa. Peinlich. Eine Entwicklung, die sich auch im medialen Angebot für die Zielgruppe widerspiegelt. Untermauert beispielsweise durch die Tatsache, dass es deutschlandweit kein festes Institut oder gar eine Forschungseinrichtung gibt, die sich mit dem Thema Kinder- oder Jugendfilm beschäftigt. Ganz im Gegensatz zu den festen Einrichtungen bei unseren skandinavischen Nachbarn. Zwischen deutschen und skandinavischen Kinder- und Jugendfilmen liegen auch deshalb (qualitative) Welten. Das wissen sicherlich nicht nur diejenigen, die regelmäßig Kinder- und Jugendfilmfestivals besuchen.

„Aber Kinderfilme aus Deutschland sind doch erfolgreich?“ – Könnte man meinen, wenn man sich Besucherzahlen und Einspielergebnisse der Kinder- und Jugendfilme aus der jüngeren Zeit vor Augen führt, siehe „Die wilden Kerle“, „Die wilden Hühner“ und Co. – Stimmt! Deutsche Kinder gehen gerne ins Kino. Und Familien mit ihren Kindern sowieso. Das wird jeder zugeben müssen, der sich mal an einem frühen Sonntagmorgen in einen vollbesetzten Kinosaal gesetzt hat. Dennoch wird es Zeit, dass das Verhältnis zwischen Masse und Klasse wieder gerade gerückt wird. Vor allem in Deutschland.

Die Verantwortlichen, die im Jahr 2013 viele, viele Jahre nach Kino-Klassikern wie beispielsweise „Das fliegenden Klassenzimmer“ (1973) und Co. dieses schwierige Vorhaben ernsthaft und erfolgreich in die Tat umsetzen konnten, waren Neele Leana Vollmar und ihr Team mit ihrer Verfilmung des Andreas Steinhöfel Romans „Rico, Oskar und die Tieferschatten“. Gleich drei Drehbuchautoren hatten sich den Roman, der 2009 mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden war, zur Brust genommen, um die Freundschaft zwischen dem semmelblonden Rico, der beim Denken und der Orientierung manchmal überfordert ist, sowie dem schlauen, stets übervorsichtigen Oskar glaubhaft für die große Leinwand umzusetzen. Ein Erfolg, der vielleicht auch an der Tatsache liegt, dass in Vollmars Verfilmung der Kern des Buches, die Freundschaft zwischen zwei ungleichen Einzelgängern nicht nur behauptet wird, sie wird regelrecht fühlbar gemacht.

Szene_Rico_OskarAbseits klischeebehafteter Stereotypen bebildert Vollmar („Maria, ihm schmeckts nicht“) Steinhöfels Roman stets zurückgenommen und feinfühlig, ohne dabei große Änderungen an der Geschichte vorzunehmen. Es geht wie gesagt um Rico und um Oskar, zwei sehr unterschiedliche Jungen aus Berlin, die eines gemeinsam haben: Sie haben keine Freunde. Jeder ist auf seine ganz eigene Art anders, und während Rico (Anton Petzold) bei seiner alleinerziehenden Mutter lebt, wohnt Oskar (Juri Winkler) bei seinem reichen Vater. Die Blickrichtung auf die Geschichte und Ricos Universum ist sehr überschaubar, weil sie ganz aus Sicht der Kinder beschrieben ist. Ricos Haus wird bevölkert von den unterschiedlichsten Nachbarn, bis in die kleinste Nebenrolle hochkarätig besetzt, unter anderem mit Anke Engelke, Axel Prahl, Ronald Zehrfeld und nicht zuletzt Karoline Herfurth, die ihre Rolle als berlinernde Mutter mit sichtlicher Freude am Spiel präsentiert.

Um Ricos Welt und seine Suche nach Antworten auf die vielen Fragen zu verbildlichen, arbeitet der Film mit Animationen, die aus dem Buch entlehnt sind. Zwar haben dabei Vollmar und ihr Drehbuchteam die deutlich düstere Vorlage entschärft, aber fehlende Väter, abwesende Elternteile und sterbenskranke Onkel verleihen lebensnahe Erdung. Vor allem diese Herangehensweise ist es, die sicherlich dem skandinavischen Kinderfilm entnommen, „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ zu einem ganz besonderen, ernstzunehmenden Vergnügen macht. Zu einem Vergnügen (nicht nur) für Kids ab 8, die zusammen mit zwei ungewöhnlichen Kindern auf Abenteuerreise gehen wollen. Nicht nur nach den Tieferschatten. Anschauen!

Bildqualität

Das Bild der DVD ist außergwöhnlich gut. Innen- wie Außenszenen sind überzeugend, die Kamera führte Torsten Breuer meist ruhig, mit wenigen Bewegungen und gelegentlichen Vogelperspektiven. Auch die Schärfe auf der DVD ist klasse. Der Kontrast liefert sehr gute Resultate, die Handlung findet meistens draußen statt. Insgesamt ein sehr guter Transfer.

Tonqualität

Der Ton leistet sich kaum nennenswerte Schwächen. Verzerrungen gibt es nicht, die Dialoge sind sehr gut verständlich und die Musik (Titelsong von den Sportfreunden Stiller) kann ihre Wirkung voll entfalten. Und das bereits gleich zu Beginn. Es gibt nur eine deutsche Dolby Digital 5:1 Tonspur.

Extras

Die Extras sind auch überzeugend. Die DVD befindet sich in einem original Amaray-Case. Ansonsten gibt es natürlich die Kapitel- und Szenenanwahl, den deutschen Trailer zum Film, einige Featurettes, ein animiertes Menü und ganz besonders spannend ist ein Blick in die Dreharbeiten mit einem Tagebuch.

 

 

 

 



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