DVD / BLU-RAY TIPP

Für den Sommerabend zu zweit empfehlen wir: „Hautnah“

HautnahAls Filmfan wird man immer wieder gefragt: „Welchen Film würdest Du gerade empfehlen?“ Die Antwort auf die Frage ist natürlich alles andere als einfach. Ist der Fragesteller zum Beispiel männlich oder weiblich, schaut er lieber Actionfilme oder Dramen, oder am liebsten Arthouse? Sollte es bei der Frage um aktuelle Filme im Kino gehen, so bieten – glaube ich – unsere Monatsübersicht sowie unsere Jahresübersicht mit den Noten zu aktuellen Filmen, bewertet von unseren männlichen und weiblichen KollegInnen eine perfekte Übersicht. Was ist aber mit der Empfehlung für Zuhause? Noch schwieriger.

Für die Antwort auf diese Frage haben wir uns etwas neues ausgedacht: Dazu würden wir gerne in Zukunft die Jahreszeit, die Anzahl der Rezipienten sowie den Anlass des Filmabends Zuhilfe nehmen und unsere Vorschläge anhand (und in) unserer Katergorie „DVD- und Blu-ray-Tipp“ vorstellen.

Den Anfang macht ein Film, nein, eine Filmemfehlung für den “ Sommerabend zu zweit“. Es ist Juni, die Temperaturen sind über 20 Grad Celsius. Die Sonne lacht. Die Herzen auch. Das passt: Der weltbekannte Regisseur Mike Nichols (geboren 1931 in Berlin als Michael Peschkowsky) gilt als feinfühliger Schauspielregisseur, mit dem man – laut Aussagen aller Beteiligter seiner großartigen Filme („Die Reifeprüfung“, „Silkwood“, „The Birdcage“) immer wieder drehen würde, auch wenn das Drehbuch noch gar nicht bekannt ist. Dieser Mike Nichols, zudem ein großer Theaterfan, war nach seinem (einzigen) Flop „What Planet are you from?“ zu Beginn der Nullerjahre sehr angetan vom Vier-Personen-Theaterstück „Closer“ von Patrick Marber.

Mike Nichols überredete den ehemaligen Schauspieler und britischen Dramaturgen Patrick Marber, aus seinem Stück einen Film zu machen. Und unser Kritiker Patrick Wilderman schrieb zum Filmstart 2005 dazu folgendes:

Es ist nicht gut bestellt um die Liebe zwischen Männern und Frauen, glaubt man Patrick Marbers großstädtischem Beziehungsreigen. Der britische Dramatiker lässt da im London der Gegenwart vier emotional zurückgebliebene amouröse Triebtäter aufeinander los, die sich nach Belieben paaren und trennen, Strohfeuer der Eitelkeit entfachen und am Ende mit leeren Herzen dastehen. Die Damen suchen nach Beständigkeit und Geborgenheit, die Herren nach Bestätigung und Geilheit. “Sie lieben die Gefühle, die wir in ihnen auslösen, aber nicht uns”, lautet die bittere Bilanz von einer, die sich auszog, um mehr zu finden als Sex.

Der versierte Querelenveteran Mike Nichols (“Wer hat Angst vor Virginia Woolf?”) hat das kühl temperierte Theaterstück nun verfilmt, Marber selbst verfasste das Drehbuch, verlegte einige Schauplätze und verschlankte hier und dort die Szenen von Ehe und Wehe. Natalie Portman spielt den jungen Tramp Alice, eine Stripperin, die eines Tages vor den entflammten Augen des Nachrufschreibers und Möchtegernromanciers Dan (Jude Law) vom Taxi angefahren wird. Der Beginn einer inspirierenden Beziehung, bis Dan der hübschen Fotografin Anna (Julia Roberts) begegnet und in hässlich-pubertärer Trotzköpfigkeit nicht eher Ruhe gibt, bis er seinen Froschkuss bekommt.

Die heimliche Affäre der beiden endet auch dann nicht, als Anna den Dermatologen Larry (Clive Owen) heiratet, einen nach Selbstauskunft „interessierten Beobachter des menschlichen Karnevalstreibens“ und rasend eifersüchtigen Erotomanen. Das Karussell aus Verrat und Reue, Verlangen und Verachtung gewinnt an Schwung.

Marbers subkutane, mit giftigen Nadelstichen gespickte Lieblosigkeitsstudie lebt von den Auslassungen und Zeitsprüngen, davon, dass man weder brüchigen Beziehungsalltag noch betrügerisches Bettgeflüster mit ansieht, sondern nur deren traurige Resultate. Mike Nichols folgt dem pointensicheren Autor in diese mitleidlos-trommelfeurige Lügenschlacht, inszeniert das muntere Partnerwechsel-Spiel allerdings wehmütig grundiert, und, im Gegensatz zu den meisten Bühnenaufführungen, mit Blick für die Verletzungen hinter der coolen Attitüde – besonders geglückt in jener Szene, in der Dan und Alice sich im Stripclub begegnen: zwei frisch Verlassene, die es mit geschäftsgerecht verteilten Rollen auf den Fleischmarkt der Verzweiflung verschlagen hat.

Nicht zuletzt dank des hingebungsbereiten Ensembles erschafft Mike Nichols so aus einem flotten Text ein echtes Trauerspiel, das mehr über das komplizierte Verhältnis von Männern und Frauen zu erzählen hat als die Graffiti in öffentlichen Toiletten.

Bildqualität

Das Bild der DVD kann sich sehen lassen. Die Kamera führte Stephen Goldblatt, meist statisch, mit wenig Bewegung, oftmals Schuss/Gegenschuss. Auch die Schärfe ist immer noch ordentlich. Der Kontrast liefert recht gute Resultate, die Handlung findet meistens in hellen Räumen statt. Insgesamt ein ordentlicher bis guter Transfer.

Tonqualität

Der Ton leistet sich keine nennenswerten Schwächen. Verzerrungen gibt es glücklicherweise kaum, die Dialoge sind gut verständlich und die Musik kann ihre Wirkung voll entfalten. Und das bereits gleich zu Beginn. Es gibt eine englische und eine deutsche Dolby Digital 5:1 Tonspur.

Extras

Die Extras sind leider enttäuschend. Die DVD befindet sich in einem original Amaray-Case, dem immerhin ein 4-seitiges Booklet beiliegt. Ansonsten gibt es den deutschen Trailer zum Film, einige Trailer zu anderen Filmen, eine Bildergalerie und einige Musikvideos, darunter natürlich auch zu dem stilbildenden Musikstück des Films: „The Blower´s Daughter“ von Damien Rice.

 

 

 



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