DVD / BLU-RAY TIPP

Das Syndikat

Mit der Figur des Commissario Bertone (Enrico Maria Salerno), der einerseits durch seine Vorgesetzten unter Druck gerät, weil Erfolge her müssen, und andererseits in der Öffentlichkeit den Prügelknaben für Polizeibrutalität und mangelnde Sicherheit abgibt, hat Regisseur Steno Anfang der 1970er Jahre die prototypischen Polizistenfigur des italienischen Polizeifilms erschaffen. Bertone soll einen Raub aufklären, bei dem ein Mensch getötet wurde. Der flüchtige Räuber Michele (Jürgen Drews) hat eine junge Frau als Geisel genommen, um durch die Polizeiabsperrungen zu kommen. Während die Polizei intensiv nach Michele fahndet, hat Bertone noch ein weiteres Problem. In Rom geht eine Vigilanten-Truppe um, die ihrer Meinung nach zu Unrecht freigelassene mutmaßliche Verbrecher hinrichtet.

Im Rom des Films herrschen dramatische Zustände, weil die gesellschaftliche Ordnung gleich von zwei Seiten angegriffen wird. Einerseits greift das Verbrechen immer mehr um sich, so dass die Bürger in Angst und Schrecken leben, andererseits gehen die faschistoiden Mordbrüder um, die sich zu Richtern aufspielen. In der Mitte steht der als rechtschaffen gezeichnete Commissario Bertone als stabilisierendes Element, der dafür sorgen muss, dass das Zusammenleben nicht in Willkür endet. Die Gefahr einer Revolution von Rechts durchzieht „Das Syndikat“ mit einer Spur aus Leichen. Steno erschafft aus dem Spannungsfeld, in dem sie Bertone aufhält, eine bittere Analyse der italienischen Realität der frühen 1970er Jahre. Die rasanten Verfolgungsjagden, gespenstischen Hinrichtungen und die Wortgefechte zwischen Bertone und dem sanftmütigen Staatsanwalt Ricciutti, der vor zu rigiden Methoden warnt, bilden nicht nur den perfekten Grundstock für einen atmosphärischen Thriller, sie spiegeln die damalige Situation zunehmender Unsicherheit in Italien wieder. Dabei kommt dem Geschehen aber nicht nur eine historische Dimension zu, denn die extremen Reaktionen auf die Gefahr der Kriminalität hat ihren Ursprung im allgemeinen menschlichen Wunsch nach einer soliden Ordnung. Steht diese auf dem Spiel, formiert sich fast natürlicherweise eine neue Macht, die das empfundene Vakuum ausfüllen will.

Bildqualität

Das saubere Bild der DVD verfügt über eine gute Schärfe, die nur bei einigen Totalen ihr Niveau nicht halten kann. Die Farben wirken natürlich, manchmal leicht ausgebleicht, aber immer auf einem soliden bis guten Niveau.

Tonqualität

Die DD 2.0-Mono-Tonspuren verfügen jeweils über klare und verständliche Dialoge mit nur geringen Verzerrungen. Auch die Musik kann ihre atmosphärische Wirkung mit einem ansprechenden Klangvolumen entfalten.

Extras

Für die deutsche Veröffentlichung wurde eigenes Bonusmaterial produziert. In der gut einstündigen Dokumentation „The Way We Were“ kommen Produzent Dieter Geissler, Schauspieler Peter Berling, der in „Das Syndikat“ zwar nicht mitspielt, aber zu der Zeit Teil einer Gruppe deutscher Filmschaffender in Rom war, und Darsteller Jürgen Drews zu Wort, der heute besser als Schlagersänger bekannt ist. Anekdotenreich und teilweise auch nachdenklich lassen die drei ihre Erlebnisse zur damaligen zeit in Rom Revue passieren.

Die Aussagen von Jürgen Drews stammen dabei aus dem Interview, dass noch in voller Länge als zweiter Teil des Bonusmaterials auf der Zusatz-DVD enthalten ist. Darin spricht Drews über die Umstände, die ihn zum Film brachten und über die Gründe, warum er damit aufgehört hat. Angesichts der verpassten Chance einer Filmkarriere wird Drews ausgesprochen nachdenklich und offenbart einiges von seiner Persönlichkeit.

Eine Bildergalerie sowie der Filmtrailer sind ebenfalls Teil des Bonusmaterials.

Eine ausführliche Version des Textes ist hier bei www.dvdheimat.de erschienen.



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