DVD / BLU-RAY TIPP

Das Haus der lachenden Fenster

Der Restaurator Stefano (Lino Capolicchio) soll in einem kleinen italienischen Dorf mitten im Nirgendwo ein wertvolles Kirchenfresko wiederherstellen, das die grausamen Qualen des heiligen Sebastian zeigt. Es stammt vom inzwischen verstorbenen Maler Buono Legnani (Tonino Corazzari), der sich einen Ruf als Künstler der Todesqualen erworben hat, indem er die letzten Augenblicke unter Schmerzen sterbender Menschen eingefangen hat. Schon kurz nach seiner Ankunft schlägt Stefano seitens der Dorfbewohner Zurückhaltung entgegen, nur die Aushilfslehrerin Francesca (Francesca Marciano) lässt sich näher mit ihm ein. Ihre Nachforschungen über Legnani führen sie auf eine Reise in Gefilde jenseits des klaren Verstandes.

Pupi Avati streut bei der Inszenierung geschickt Merkwürdigkeiten ein, die mal am Rande bizarrer Groteske, mal voller Undurchdringlichkeit eine rätselhafte Spannung aufbauen. Der geistig debil wirkende Kirchendiener balanciert mit aufgerissenen Augen sowie grenzwertigem Lachen auf dem schmalen Grad zwischen Lächerlichkeit und Grauen. Hinter der Fassade des Dorfes scheint wesentlich mehr zu lauern, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Immer wieder sorgt Avati mit weiteren Details dafür, dass normale Dinge ein bisschen mehr preisgeben. So ist die Darstellung des Martyriums eines Heiligen in der Kirchenkunst beileibe nichts ungewöhnliches, aber die schlaglichtartig eingestreuten Hintergründe über den Maler dieses Freskos sorgen für zusätzliche Anspannung. Sie vermitteln dem Zuschauer des Films wie der Hauptfigur Stefano eine Ahnung von den Dämonen, die unter der Oberfläche lauern könnten. Sie wecken die Neugier auf das Verderben.

Die Neugier treibt den Restaurator einerseits an, seine Arbeit trotz der Schwierigkeiten weiterzumachen, andererseits führt sie ihn auf den Weg unter die Oberfläche. Dabei vermischt sich die Wahrnehmung Stefanos mit der Realität zu einem Strudel aus Wahn und Bedrohung. Die fragile Natur des Blicks verdeutlicht Avati nachaltig in einer Szenenfolge, in der Stefano vergrabene Leichenteile gezeigt werden, die wenig später nicht mehr auffindbar sind, obwohl es völlig unrealistisch ist, dass sie in der Zwischenzeit weggeschaft wurden. Deswegen strahlt alles eine gewisse Unsicherheit aus, was zu sehen ist. Das ändert aber nichts daran, dass das Böse immer näher an Stefano heranrückt. Denn die Dämonen des Schreckens benötigen keine simple, materielle Realität, sie können sich auch auf den Ebenen des Geistes ausbreiten. Das Martyrium des heiligen Sebastian, das den Ausgangspunkt für die Handlung liefert, zeigt zwar körperliche Qualen, aber Stefano erfährt, das Martyrien auf unterschiedlichen Ebenen Realität werden können.

Bildqualität

Das Bild der DVD kann sich trotz leichter Schwächen absolut sehen lassen. Rauschfilter haben zwar leichte Spuren hinterlassen, so dass manche Szenen weicher als notwendig wirken. Um Konturen haben sich teilweise dezente Auren gebildet, aber das spielt sich nicht in den Vordergrund. Stattdessen überzeugt die Klarheit des Bildes, die bei Nahaufnahmen auch Details gut zur Geltung bringt. Die dezenten Farben des Films wurden sehr gut auf die DVD übertragen.

Tonqualität

Die DD 5.1-Tonspuren überzeugen mit klaren sowie weitgehend satten Dialogen. Nennenswertes Rauschen gibt nicht. Darüber hinaus wurde mit dezenten Mitteln eine räumliche Atmosphäre geschaffen, die sich auf Geräusche aus den hinteren Lautsprechern verlassen kann. Die Abmischung kommt ohne plumpe Effekthascherei aus.

Extras

Der Audiokommentar von Markus Stigglegger und Kai Naumann besticht durch eine fundierte Analyse unterschiedlicher Motive des Films, die szenenspezifisch herausgearbeitet werden. Manchmal gleiten sie vielleicht etwas zu stark in einen Vorlesungsstil ab, aber das ist allemal besser als ein Kommentar mit belanglosen Blödeleien. Sehr gut.
Im 12-seitigen Booklet arbeitet Christian Kessler die autobiographische Verbindung des Regisseurs zum Landstrich des Films und den Ängsten heraus, die das Geschehen prägen.
Eine Bildergalerie, der Filmtrailer und eine Postkarte mit Filmmotiv sind ebenfalls vorhanden.

Eine ausführliche Version des Textes ist hier bei www.dvdheimat.de erschienen.



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