DVD / BLU-RAY TIPP

Alice im Wunderland

Alice im Wunderland Blu-RayBei einem Blick auf das Oeuvre des 52jährigen Kaliforniers Tim Burton muss man sich fragen, warum hat das so lange gedauert? Die Geschichte „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll hat über drei Dutzend Verfilmungen im TV und Kino auf dem Buckel. Bedarf es da noch einer weiteren? Natürlich. Denn der Spezialist für fantastische Figuren (Batman, Beetlejuice, Edward mit den Scherenhänden) Tim Burton ist genau der richtige Regisseur für eine weitere Verfilmung des Kinderbuches, das bereits 1865 erschienen ist.

Auf Vergleiche mit anderen Inszenierungen oder gar angestaubte Stoffe, so zu lesen im Presseheft, hatte der Bildermagier mit dem großen Faible für Außenseiter angeblich keine Lust. Zusammen mit Drehbuchautorin Linda Woolverton, die schon an Disneys Feministinnen-Drama „Mulan“ beteiligt war, bereichert Burton das carroll´sche Werk hier um eine weitere Lesart. Es ist zwar Lewis Carrolls´ Alice, aber es ist auch die Alice von Tim Burton. Woolverton und Burton erzählen nicht die Geschichte des kleinen Mädchens Alice, sondern die der mittlerweile 20jährigen jungen Frau, die abermals in den Kaninchenbau fällt und in ihrer Traumwelt landet. Der Erfahrung sowohl des Regisseurs als auch der Drehbuchautorin ist es zu verdanken, dass dieser Kniff, das Sequel des „Alice im Wunderland“-Märchens, funktioniert. Ohne Prolog oder sonstige dramaturgische Hilfen geht es sofort zur Sache.

Der Traum, der ihr als kleines Kind manch schlaflose Nächte bereitet hat, wird plötzlich Realität. Als die mittlerweile 20jährige Alice (Neuentdeckung: Mia Wasikowska) einen Hasen im Garten erblickt, entflieht sie ihrer eigenen viktorianischen Verlobungszeremonie mit ihrem reichen aber langweiligen Bräutigam und folgt dem seltsamen Hasen zu einem Kaninchenloch. Bei einem neugierigen Blick kommt es zum Sturz. Alice stürzt hinab in eine 3-D-Wunderwelt, die sich Surrealist Salvador Dali nicht besser hätte ausdenken können. Auch wenn nicht mit speziellen 3-D-Kameras gedreht – wie beispielsweise Camerons „Avatar“ – auch hier entdeckt der Zuschauer eine Pandora-ähnliche Welt, die Lust auf mehr und in erster Linie sehr neugierig macht. „Das ist doch nur ein Traum“ entgegnet die schöne Alice immer neuen Figuren, die sich ihr auf ihrer Wunderland-Entdeckungsreise in den Weg stellen. Hier dürfen natürlich der sprechende Kater, der verrückte Hutmacher und der böse Drache Jabberwocky ebensowenig fehlen wie viele andere freakige Figuren, die Lewis Carrolls Fantasie Ende des 19. Jahrhunderts entsprungen sind.

Doch vor allem den herausragenden schauspielerischen Leistungen von Helena Bonham Carter (als rote strenge Königin) und natürlich Johnny Depp (als verrückter Hutmacher) ist es zu verdanken, dass Burtons „Alice im Wunderland“ nicht zu trashig geworden ist wie einst seine Sci-Fi-Farce „Ed Wood“ oder so düster wie einst Guillermo del Toros „Pans Labyrinth“. Burton präsentiert sich hier einmal mehr als großer Stilist, der seine visuelle Kreativität voll ausleben kann. Kino als Jahrmarktsattraktion. Hier kommt endlich zusammen, was zusammen gehört.

Was auf der einen Seite (fast schon) zu viel, muss auf der anderen Seite zu wenig sein wissen wir nicht erst aus der Physik. Um die bisherigen Schwächen in punkto Charakterführung auszugleichen, hat sich Tim Burton ganz auf die Ideen seiner Drehbuchautorin verlassen. Linda Woolverton packte bei aller Ehrfurcht dem carrollschen Original gegenüber ihrer älteren Alice eine große Portion Feminismus in den Sequel-Rucksack, so dass sie passend gekleidet das junge Zielpublikum der Twenty-Somethings in ihren Bann ziehen möge. Nach den vielen Prüfungen, die sie mit Bravour und einer großen Portion Empathie meistert, darf die moderne Alice am Ende sogar in das Geschäft des verstorbenen Vaters einsteigen und den Handelsweg nach Asien ebnen. Willkommen im 21. Jahrhundert, liebe Alice. Dank des verrückten Tim Burton und der neuen 3-D-Technik wird deine Geschichte noch viele Jahre weiter erzählt.

Bildqualität

Die Bildqualität auf der DVD ist (bei einem aktuellen 3D-Kinofilm erwartungsgemäß) hervorragend. Dennoch lassen sich Unterschiede feststellen, wenn es um die Real- oder die CGI-Szenerie geht. Viele Realszenen, wie beispielsweise Alice´ Fall durch den Kaninchenbau oder die Flucht im Garten sind wirklich klasse. Doch es fällt auf, dass Burton bei Realszenen das Weiß überzeichnet. Auch lassen sich beim Wechsel zwischen Real- und CGI-Szenen unnötige Unschärfen erkennen. Der Schwarzwert ist insgesamt etwas blass. Sobald sich Alice ins Wunderland verirrt und damit zunehmend die Welt der Computeranimationen betritt, erstrahlt das Bild farbenfroh und brillant. Die Bildschärfe wird hier einige Stufen besser und die unwirkliche Welt Burtons erwacht sprichwörtlich zum Leben.

Tonqualität

Die Tonqualität ist noch besser als das Bild. DTSHD 5.1 sorgt dafür, dass auch deutsche Heimkinobesitzer die ganze audiovisuelle Pracht des Tim Burton-Films genießen können. Die Soundkulisse ist präzise sowie atmosphärisch dicht. Die Stimmwiedergabe ist klar verständlich und wird auch durch einsetzende Musik nicht gestört, denn diese hält sich angenehm im Hintergrund. Setzen die Actionszenen ein, kommen die Bässe wuchtig und präzise aus dem Tieftöner. Besonders deutlich wenn Alice in den Kaninchenbau stürzt. Dort entwickelt das Zusammenspiel der Soundeffekte eine angenehme Eigendynamik und schüttelt den Zuschauer nach ruhigem Beginn regelrecht durch. Natürlich ist auch hier wieder einmal der englische Originalton zu empfehlen, denn er ist schlichtweg einen Tick besser, weil präziser.

Extras

In Punkto Extras ist die Single-DVD / Blu-ray eine Enttäuschung. Drei Mal sechs Minuten, mehr waren wohl nicht drin. Im Einzelnen: Making of; 4 Trailer; Der verrückte Hutmacher (5:50 Min.); Alles über Alice (6:05 Min.); Spezialeffekte im Wunderland (6:38 Min.); Disney’s Fast Play



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