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Jun 2011
21
Wer ist Hanna?, Pina, Die Nordsee von oben, Radio Rock Revolution

Wieder einige Filme, die ich gesehen aber noch nicht besprochen hatte in einer Kurzübersicht: Am Dienstag, den 07. Juni hatte ich Joe Wrights Wer ist Hanna? nachgeholt. Viele Kollegen schrieben nur Gutes über den Thriller mit der jungen Saoirse Ronan. Und allein der Trailer hatte bereits viel Lust auf den Film gemacht. Doch wie so oft im Leben…. kommt es anders und zweitens… bereits nach etwa 40 Minuten hatte ich so viele cineastische Dèjá-vu-Erlebnisse im Kinosessel, dass ich mich regelrecht gelangweilt habe. Ob die anderen Kollegen vielleicht ihr Herz an die überzeugende Saoirse Ronan verloren haben? Vielleicht. Szene aus dem Film Wer ist HannaDenn die erst 17-jährige New Yorkerin, die schon in Joe Wrights „Abbitte“ überzeugen konnte, verkörpert hier eindrucksvoll die 16-jährige Hanna, die in den Bergen von ihrem alleinerziehenden Vater (Eric Bana mit Bart) aufgezogen und zu einer Killerin ausgebildet wird. Sie soll ihre Mutter rächen, die vor vielen Jahren von einer überehrgeizigen CIA-Agentin (Cate Blanchett) erschossen wurde. Junge Frau? Killerin? Ausbildung? Richtig, von Luc Bessons „Nikita“ über JJ Abrams „Alias“ bis hin zu Angelina Jolie in „Salt“…, es gibt so viele Filme mit ähnlichem oder fast gleichem Sujet. Warum dann auch noch eine über eine außergewöhnliche 16-Jährige? Zugegeben, Jow Wright findet atemberaubende Bilder für das Leben in der Natur, auch Tempo und Timing sind beeindruckend. Aber sowohl Hannas Ursprung (Labor?), die schnelle Benachrichtigung an ihren Vater und die Eindimensionalität einiger Charaktere (Cate Blanchett) werfen so viele Fragen auf, die der Film leider nicht beantworten kann. Eine Enttäuschung.

Szene aus dem Film Die Nordsee von obenDie Enttäuschung über Hanna hatte sich spätestens mit dem Pfingstwochenende und mit zwei Filmen gelegt, über die ich mich dann sehr gefreut habe. Zum einen war das der großartige Tanzfilm „Pina“ von Wim Wenders und der faszinierende Dokumentarfilm „Die Nordsee von oben“ von den beiden sympathischen Filmemachern Silke Schranz und Christian Wüstenberg, die ihren Film persönlich in Münster vorstellten. Die einzigen beiden Vorstellungen der Nordsee-Dokumentation waren sofort ausverkauft, so dass die Filmtheaterbetriebe daraufhin den Film sofort ins tägliche Programm mit aufnahmen. Richtig so. Denn die Bilder aus der Hochleistungskamera Cineflex sind so sehenswert, dass sich jeder die Schönheit der Nordseeküste unbedingt mal in dieser Doku anschauen sollte. Und über Pina muss man keine Worte mehr verlieren. Der Besuch dieses feinsinnigen Films ist ein Pflichttermin!

Im Rahmen der Reihe „30 Jahre, 30 Filme“ des Filmclubs Münster wurde am Pfingstmontagabend der Film „Radio Rock Revolution“ von Richard Curtis gezeigt. Ein lokaler Bürgerfunk-Moderator hatte sich den Film im Rahmen der Feierlichkeiten gewünscht, weil „der Film genau das ausdrücke, was er sich vom Leben wünsche: Freiheit, Anarchie und Frechheit“. Szene aus dem Film Radio Rock RevolutionIch hatte den Film im April 2009 verpasst und war sehr gespannt. Normalerweise kann bei Filmen aus dem Hause Working Title („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, Nothing Hill“) ja nicht viel falsch laufen. Aber was ist schon normal? Richard Curtis berichtet davon, wie in den späten sechziger Jahren eine Handvoll DJs dem kulturellen Establishment und dem Gesetz die Stirn bieten, das von blassen Anzugträgern und einem Kenneth Branagh als Karikatur mit Hitler-Bärtchen repräsentiert wird. Böse, böse! Es wird natürlich viel Musik gespielt und die ist natürlich klasse (Kinks, Stones, The Who), immer wieder haucht ein männlicher Moderator (Rhys Ifans, Philip Seymour Hoffman) einen coolen Spruch ins Mikrophon, immer wieder gibt es Tanzszenen an den Radiogeräten und immer wieder einen Gegenschnitt ins englische Unterhaus. Doch wo bleibt da die Revolution? Wo bleibt die Befreiung? Fehlanzeige. Jeder Gag dreht sich ums sexuelles Gelingen oder Versagen, das Radio-Schiff in der Nordsee bleibt ein Party-Hort für daueradoleszente Radio- und Musiknerds und das einzig Befreiende ist der Untergang des Schiffes und die Rettung der Crew durch ihre Fans. Das ist keine Auseinandersetzung sondern eine Vorführung. Enttäuschend.



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