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Mai 2013
06
„Verliebte Feinde“ von Werner Schweizer

Schweiz, Mitte der 50er Jahre. Ein junger Mann wandert auf einem Bergweg in den sommerlichen Walliser Alpen. Schnitt. Eine junge Frau, blond, mondän im Pelzmantel, betritt eine luxuriöse Kabine auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Kamera begleitet die Frau wie ein Werbemodel, während der Mann in den Bergen vor der Kamera auf Distanz bleibt. Bei den beiden handelt es sich um das Schweizer Ehepaar Peter und Iris von Roten. Zu diesem Zeitpunkt stecken sie tief in einer Ehekrise. Peter von Roten (Fabian Krüger) hatte seine Frau Iris, geborene Meyer, im Jura-Studium kennengelernt. Eine schöne Szene zeigt wenig später Peters ersten, tollpatschigen Annäherungsversuch bei seiner Angebeteten. Weitere folgen und sie waren erfolgreicher, nur wenige Jahre später ehelichte der Anwalt die schöne und intelligente Iris (Mona Petri), die eigentliche Hauptfigur in diesem semidokumentarischen Drama, gegen den Willen seiner konservativen, katholischen Eltern.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Wilfried Meichtry und über 1000 Briefen des Ehepaares von Roten bebildert Regisseur Werner Schweizer die tragisch-romantische Ehegeschichte zwischen dem konservativen Politiker bzw. Querdenker und der freigeistigen Frauenrechtlerin anhand einer seltsam unfertig anmutenden Collage aus Dokumentar- und Spielfilm sowie Zeitzeugeninterviews. Gleich mit der ersten Szene wird die Spielfilm-Iris vorgestellt, überzeugend verkörpert von Mona Petri, die im weiteren Verlauf den roten Faden spinnt von abfotografierten Briefzitaten über Zeitzeugeninterviews bis hin zu Szenen aus alten Photo- bzw. Super-8-Aufnahmen.

Mona Petri kommt der Figur Iris von Roten dabei nicht nur äußerlich sehr nahe, Regisseur Werner Schweizer stellt sie (wie verliebt in seine Hauptdarstellerin) immer wieder in den Vordergrund. Ganz anders Fabian Krüger bzw. Peter von Roten. Der Burgtheater-Schauspieler legt den konservativen Adeligen teilweise wie einen Dorftrottel an. Jenes spitzbübische, und dennoch dickköpfige des wahren Querdenkers Peter von Roten sucht man in Fabian Krügers von-Roten-Darstellung vergebens. Nicht zuletzt mit einer peinlichen Szene des über 60-jährigen Ehepaares im Alter, die eher an einen Sketsch erinnert, wird das Dilemma sichtbar, wenn neben der Verkörperung einer Person auch die tatsächliche Person aus privaten Aufnahmen oder von zahlreichen Photos immer wieder daneben geschnitten wird. Regisseure wie Sacha Gervasi („Hitchcock“) oder Simon Curtis („My Week with Marilyn“) wussten sehr genau, warum in ihren Biopics stille oder bewegte Bilder von den wahren Stars, die sie ablichten, nichts verloren haben.

  



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