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Mrz 2015
29
„Une nouvelle ami“ – „Eine neue Freundin“ von Francois Ozon

Eine schöne Szenenfolge arbeitet sich anfangs einmal quer durch das Leben und durch die unzertrennliche Freundschaft von Claire (Anais Demoustier, „Das bessere Leben“) und Laura, bis die traurige Realität erreicht ist: Laura ist tot. Claire schwört auf der Beerdigung, sich um den Witwer David (Romain Duris, „L´Auberge Espagnole„) und das kleine Kind zu kümmern. Dann die Überraschung: David trägt heimlich die Kleidung seiner Frau, und er tut dies, wie sich herausstellt, nicht erst seit deren Tod.

Eingangs pikiert, dann zusehends fasziniert, begleitet Claire David alias „Virginia“ in sein neues, nicht mehr heimliches Leben als Cross-Dresser. Bald werden sie so etwas wie ein Paar, an dem sich die Eindeutigkeiten des bürgerlichen Schubladendenkens als erfreulich nutzlos erweisen: Ist Claire, die ihren Mann (Raphael Personnaz) nicht aufgibt, lesbisch? Agiert sie an Virginia die Sehnsucht aus, die sie sich Laura gegenüber nie zu offenbaren traute?

Nicht unbedingt. David behauptet, nicht schwul zu sein. Ist seine neue Identität als Frau nur ein Fetisch? Wohl kaum. Das märchenhafte Ende entwirft jedenfalls eine Regenbogenfamilien-Utopie, die zumindest dem Front-National-Frankreich wenig passen dürfte. Der französische Regisseur François Ozon gilt als Spezialist für Frauen- und queere Themen und fügt diesem Kosmos hier eine neue Variante hinzu. Der Film basiert auf einer Erzählung von Ruth Rendell und reicht an seine Meisterwerke („Swimming Pool“) nicht heran – dazu wirkt die ausgestellte Künstlichkeit vieler Dialoge und Dekors im betont bourgeoisen Setting eine Spur zu aufgesetzt. Als frischer Blick auf festgezurrte Moralvorstellungen und Konventionen taugt der Film natürlich trotzdem – und Romain Duris vertreibt alle Anflüge muffigen „Charleys Tante“-Klamauks.

 




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