BLOG

Jul 2011
25
Tree of Life, Super 8, Win Win, Die Schlümpfe

Der Künstler und Maler Paul Klee hat einmal gesagt: „Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sie macht sichtbar.“ Und er deutsche Bildhauer Joseph Beuys ergänzte 50 Jahre später: „Kunst kommt von Können. (..) Jeder Mensch ist zwar ein Künstler in einem allgemeinen Sinn – ein Künstler, der man sein muss, um zum Beispiel Selbstbestimmung zu betreiben – aber in einer bestimmten Phase des Lebens wird doch jeder Mensch in gewisser Weise noch irgendwo Spezialist.“ Harvard-Absolvent Terrence Malick hat Philosophie studiert und gelehrt, bevor er zum Film kam. Seine 10 Filme, zu denen er das Drehbuch schrieb (und sieben davon auch als Regisseur begleitete), gelten bei Cineasten fast alle als große Filmkunst. Und sie behandeln oft philosophische Fragen, beispielsweise auch die Frage nach dem Bösen im Menschen. Folglich taucht in den Filmen von Malick immer wieder die Figur des Rebellen auf. In Badlands (1973) ist es der von Martin Sheen verkörperte Outlaw Kit Carruthers, in Der schmale Grat (The Thin Red Line, 1998) dividierte der Regisseur diesen Charakter in zwei Figuren: Jim Caviezel impersonierte mit Anleihen an die christliche Mythologie einen Märtyrer und Sean Penn, Hollywoods Vorzeigerebell, gab seinen Widerpart und doch einzigen Verbündeten.

Szene aus dem Film Tree of LifeIn seinem Film „The Tree of Life„, den ich an einem viel zu heißen Montagabend sehen durfte, taucht die Figur des Rebellen wieder auf; es ist ein Junge, der von seinem strengen Vater gegängelt wird. Später ist es erneut Sean Penn, der in die Rolle schlüpft, um sich unter Qualen an seine Kindheit zu erinnern. Brad Pitt verkörpert bei Malick den strengen Vater einer insgesamt fünfköpfigen Familie in den 50ern, die von der liebevollen Mutter (Jessica Chastain) zusammengehalten wird. Der Vater wird seinen Job verlieren, die Familie einen Sohn und wenig später auch das Zuhause, einen stringenten Handlungsfaden gibt es aber nicht. Das Bild von der Familie dient Terence Malick eher als Metapher. Er wollte augenscheinlich sechs Jahre nach seinem letzten Film („The New World“) sein Opus Magnum inszenieren. Alle Ingredienzien deuten darauf hin. Fragmentarisch geht es um die Ursprünge der Welt, am Anfang steht ein Vers aus dem Buch Hiob, immer wieder tauchen Trickfilmaufnahmen auf, Dinosaurier bevölkern die Leinwand und den umspannenden Rahmen bilden die existenziellen Fragen der Conditio humana im Großen (Welt, Urknall) wie im Kleinen (Familie). Das alles ist …zutiefst gottväterlich, altklug, manchmal komisch aber auch zutiefst berührend.

Kinobesucher, die NICHT der Meinung sind, dass Kunst in der Lage sein sollte, das Denken ins Werk zu setzen, sondern ein „fertiges“ Produkt verlangen, oder diejenigen, die Paul Klees „Senecio“ für ein Selbstporträt halten oder Joseph Beuys „Fettecke“ für großen Quatsch, die werden vor dem Ende den Saal verlassen. Alle anderen, die noch glauben, egal an was, die ein Kunstprodukt als Denkanstoß verstehen und einem Meisterregisseur einen altklugen, gottväterlichen 138-minütigen Gedankengang verzeihen, werden Zeuge eines großen Meisterwerks.

Szene aus dem Film Super 8Von einem Meisterregisseur zum nächsten. Den Verantwortlichen des Cineplexes in Münster war es am Dienstag, den 05. Juli gelungen, noch vor allen bundesweiten Pressevorführungen, den neuen Film von Steven Spielberg nach Münster zu holen. Steven Spielberg fungierte zwar in „Super 8“ nur als Produzent, er soll aber die maßgeblich treibende Kraft hinter dem neuen Projekt von J.J. Abrams („Lost“, „Star Trek“) gewesen sein. Es geht um Abrams` Geschichte von fünf jungen Filmfans, die im Jahre 1979 einen Zombiefilm drehen wollen. Als die Freunde klammheimlich eines nachts ihre Elternhäuser verlassen, um „ihr Set“ an einem Bahnübergang aufzubauen, werden sie unfreiwillig Zeugen eines schrecklichen Bahnunglücks. Ein vermeintlicher Selbstmordattentäter hatte einen Militärtransport stoppen wollen. Die Super-8-Kamera der Filmemacher, die das Unglück überlebt, nimmt das weitere Geschehen auf und die besten Freunde Joe Lamp (Joel Courtney) und Charles (Riley Griffiths) entdecken auf dem entwickelten Film, dass die wenig später anrückende Armee einen guten Grund hat, um die Kleinstadt schnellstmöglich zu evakuieren. Mit „Super 8“ kommt zusammen, was zusammen gehört: Das kreative Genie von J.J. Abrams und der Mann mit dem sicheren Gespür für erfolgreiche und massentaugliche Unterhaltungsware, Steven Spielberg. Abrams räubert mit „Super 8“ zwar kräftig in der Filmhistorie, ein wenig „Stand by me“ von Rob Reiner, ein bisschen von Spielbergs „E.T.“ und eine große Prise von seinem Monsterabenteuer „Cloverfield“. Doch daraus entsteht das spannendste Abenteuer für die ganze Familie des Jahres, das man vor allem wegen der tollen jungen Darsteller nicht verpassen sollte. In Deutschland ab dem 04. August in den Kinos.

Szene aus dem Film Win WinAm 14. Juli war wieder einmal Zeit für ein Ausflug nach Düsseldorf und zu zwei weiteren Pressevorführungen. Nach positiven Rückmeldungen von Kollegen aus anderen Pressevorführungen und als großer Paul Giamatti-Fan freute ich mich auf Thomas McCarthys (Drehbuch zu „Up“ und Regie zu „The Visitor“) neuen Film „Win Win„. Paul Giamatti verkörpert in der sehenswerten Tragikomödie den erfolglosen Rechtsanwalt Mike Flaherty, dessen Kanzlei kurz vor der Pleite steht. Um seiner Frau (Amy Ryan) und seinen beiden Töchtern weiterhin ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen, übernimmt der passionierte Wrestling-Trainer auf dem Papier die Vormundschaft und Pflege für den ebenso grantigen wie vermögenden Altzheimer-Patienten Leo (Burt `Paulie` Young). Als jedoch Leos Enkel Kyle (Alex Shaffer) plötzlich in die Stadt kommt, um bei seinem Opa zu wohnen, baut Mike ein Lügengerüst auf, das er nur mit größter Mühe aufrecht erhalten kann. Wie gut, dass ausgerechnet im vermeintlichen Ausreißer Kyle ein großes Wrestling-Talent schlummert, das Mike gerne in seiner erfolglosen Mannschaft sehen würde. Zusammen mit seinen überzeugenden Darstellern ist Thomas McCarthy wieder einmal eine sehr sehenswerte Ode an die Kraft der Familie gelungen. Der Film ist seit dem 21. Juli in den deutschen Kinos zu sehen. Empfehlenswert.

Szene aus dem Film Die Schluempfe 3D

(c) Sony Pictures

Mit der Eingabe dieses Textes in die Datenbank endete auch die Sperrfrist für das neue Sony Pictures Animationsabenteuer „Die Schlümpfe 3D„, den ich ebenfalls am 14. Juli gesehen habe. Von meiner Frau hatte ich mir zuvor ein paar Tipps geholt, welche wichtigen Figuren in einem Film über die kleinen blauen Waldbewohner keinesfalls fehlen dürfen. Während der gut besuchten 3-D Vorführung in Düsseldorf konnte ich dann bestens informiert gedanklich alle wichtigen Figuren und Elemente (Zauberer Gargamel, Kater Azrael etc) abhaken und habe mich (im Gegensatz zu einigen Kollegen) gut unterhalten gefühlt. O.K., der Film ist inszenatorisch meilenweit entfernt von Meisterwerken wie „Winnie Puuh“, „Oben“, Chris Columbus „Gremlins“ und Co.. Aber er bietet Dank der perfekt animierten Figuren in der „realen Welt“, sowie einem zwar vorhersehbaren aber nicht gänzlich unlogischen Abenteuer und den überzeugenden Nebendarstellern (Comedian Hank Azaria als Gargamel, Neil Patrick Harris als angehender Familienvater) durchweg gute, kuzweilige Unterhaltung für 86 Minuten.

 



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Blog abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*