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Aug 2006
31
Tom Tykwer: Das Parfüm (D/F/E 2006) (gesehen am 23.08.2006, Pressevorführung, Christian)

Gerüche kann man nicht beschreiben heißt es. Der deutsche Schriftsteller Patrick Süskind konnte es. Er hat in den 80ern mit seiner Geschichte über den Parfümeur-Gesellen Jean-Baptiste Grenouille einen Weltbestseller geschrieben. Sein Roman „Das Parfüm“ über den jungen Grenouille und seine Suche nach dem eigenen Geruch wurde in über 40 Sprachen übersetzt und stand fast zehn Jahre auf der populären Spiegel-Bestsellerliste. Geht man auf Recherchetour über die Erfolgsgeschichte und Hintergründe dieses Buches, reiht sich ein Superlativ an das nächste.

Viele Regisseure hatten sich bis heute um den Stoff beworben. Doch nach vielen Verhandlungsjahren war Erfolgsautor Süskind im Jahre 2001 schließlich dem großzügigen Angebot seines Freundes Eichinger erlegen und hat sich für dessen Produktionsfirma Constantinfilm und den Bildermagier Tom Tykwer entschieden. Filmproduzent Eichinger, der mit seinen Filmen „Der Name der Rose“ und „Das Geisterhaus“ genug Erfahrungen in punkto Bestsellerverfilmung mitbrachte, stellte eine solide Finanzierung ohne fremdes Geld und damit ungeliebte Mitspracherechte aus Hollywood auf die Beine und seinem „Lola rennt“-Regisseur Tom Tykwer den erfahrenen Drehbuchautor Andrew Birkin zur Seite.

Dieses Triumvirat stellte sich der Herausforderung, der sich jeder Filmemacher und jede Filmemacherin gerne irgendwann einmal stellen möchte: Einen Roman, der als unverfilmbar gilt, für die Leinwand aufzubereiten. Dieser Mut verdient Respekt. Fast zweieinhalb Stunden ist sie nun lang geworden, diese Mordsgeschichte um einen Ausgestoßenen, der einen eigenen Geruch anstrebt und diesen an jungen Frauen findet, die er nach und nach zur Strecke bringt. Gespickt mit sehenswerten Ideen, die Tom Tykwer Kameramann Frank Griebe filmisch gekonnt umsetzt, ist auf der Leinwand schließlich das zu sehen, was der Roman ausdrücken will: Paris im Jahre 1738 war dreckig und stinkig. Ein Ausgestoßener (überzeugend: Newcomer Ben Wishaw) sucht nach seinem eigenen Geruch. Und seine von Leichen gepflasterte Reise findet nach der Fertigstellung seines Parfüms ein Ende in einem orgiastischen Menschengemenge. Tykwer ist nicht Kubrick. Vielleicht muss aus diesem Grund eine Off-Stimme nachhaltig für die richtige Stimmung sorgen. Das Wichtigste ist aber, dass es Tykwer gelingt, sowohl bedrückende Stimmung als auch die schlechten und guten Gerüche der Zeit von der Leinwand in die Köpfe der Zuschauer zu transportieren. Und letzteres ist in einem spannenden Unterhaltungsfilm zuvor noch niemandem gelungen.



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