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Aug 2011
29
The Fall, Mein Stück vom Kuchen, Green Lantern, Brownian Movement

Nach einer kurzen Erholungspause an und auf der Nordsee will ich an dieser Stelle ein paar Filmbesprechungen im Schnelldurchlauf nachholen. Szene aus dem Film The FallAuf einen Termin hatte ich mich bereits Mitte Juli besonders gefreut: Auf einen Filmabend mit Filmfreunden, bei dem jeder einige Wunschfilme mitbringt. Weil uns für dieses Event eine große Beamerleinwand samt 5:1 DTS Surround-Sound zur Verfügung steht, haben wir uns (nach David Leans „Lawrence of Arabia“ beim letzten Mal) für das bildgewaltige Tarsem Singh Opus „The Fall“ entschieden. Wer den zweiten Film des gebürtigen Inders (nach seiner Auftragsarbeit „The Cell“) noch nicht gesehen hat, sollte dies schnell (bestimmt in der Videothek deines Vertrauens) nachholen.

Sechs Jahre hat der ehemalige Videofilmer (u.a. für REM: Losing my Religion) an diesem Meisterwerk gearbeitet. Im Mittelpunkt steht die junge Alexandria (klasse: Catinca Untaru), die in einem Krankenhaus im Los Angeles der 1920er Jahre von einem jungen Stuntman unterhalten wird, indem dieser ihr über mehrere Tage eine Märchengeschichte erzählt. Szene aus dem Film The FallFür beide Erzählstränge findet Tarsem Singh reale Bilder von entrückter Schönheit, eingetaucht in beeindruckend authentisches Zeitkolorit. Vor allem aber die Bebilderung der Märchengeschichte ist ein Rausch aus Bildern, Farben und Sounds, wie man ihn nur selten im Kino zu sehen bekommt. Ein Film, der unbedingt in jede Sammlung gehört.

In der Woche darauf stand wieder einmal eine interessante Pressevorführung mit einem Doppelpack an: Zum einen freute ich mich auf Cédric Klapischs („L´Auberge Espagnole“, „So ist Paris“) neuen Film „Ma part du gateau“, der bei uns in D „Mein Stück vom Kuchen“ heißt. Und zum anderen wollte ich Ryan Reynolds in Martin Campbells „Green Lantern“ in 3D durch die Lüfte fliegen sehen.

Szene aus dem Film Mein Stueck vom Kuchen Nach seinen Liebeserklärungen an die Jugend („L´Auberge Espagnole“, „Barcelona für ein Jahr“) und an die Stadt Paris bringt Cédric Klapisch in „Ma part du gateau“ eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern und einen ehrgeizigen Börsenmakler zusammen. Zumindest für eine kurze Zeit. Die Klapisch-Freundin Karin Viard (Bäckereibesitzerin in „So ist Paris“) verkörpert in dieser misslungenen Sozialkomödie die geschiedene, alleinerziehende und sehr taffe France, die frisch aus einer Fischfabrik entlassen, einen Job als Hauhaltshilfe beim französischen Börsenmakler und Kosmopolit Steve (Gilles Lelouch, „Kleine wahre Lügen“) antritt. Der aus London nach Paris übergesiedelte Steve ist mit den Aufgaben des Alltags überfordert, erst recht, als ihm seine Ex-Frau für einen Monat seinen sechsjährigen Sohn vorbeibringt. Da kommt France gerade recht, die sich nicht nur liebevoll um den Haushalt, sondern auch um Steves Sohn kümmert.

Klapisch, der auch das Drehbuch verfasst hat, konstruiert aus diesem Aufeinandertreffen eine Pretty-Woman-Variation im modernen Kleid des Spätkapitalismus. So weit, so abstrus. Besonders schlimm wird es, als France erfährt, dass Steve indirekt an ihrer Kündigung beteiligt war. Die im siebten Himmel schwebende Mutter entführt daraufhin Steves Sohn und erhält als moderne Jeanne d´Arc der Unterschicht die Sympathien des Regisseurs. Klassenkampf im Pretty-Woman-Look. Ab 15. September im Kino.

Um einen Klassenkampf ganz anderer Art geht es in Martin CampbellsGreen Lantern„. Der selbstbewusste Pilot Hal Jordan (Ryan Reynolds) alias Green Lantern ist eine weitere Figur aus dem breiten Fundus von DC Comics. Als der junge Draufgänger die Grenzen eines neuen Flugzeugs auslotet und damit abstürzt, wird er von seiner Arbeitgeberin, Ex-Schul- und Lebensfreundin Carol (Blake Lively) fristlos entlassen. Szene aus dem Film Green LanternAber wie heißt es so trivial… „immer wenn Du denkst, jetzt geht nichts mehr dann kommt von irgendwo ein Lichtlein her„. Dieses Licht ist in diesem Falle grün und kommt von einem vergötterten Kämpfer, einem Hüter des Lichts, weitab dieser Galaxie. Martin Campbell, der bereits der James Bond-Reihe mit „Casino Royal“ (2006) in Punkto Physis eine gehörige Vitaminspritze verpasste, schickt nun Ryan Reynolds auf eine scheinbar aussichtslose Mission und lässt von der ersten Sekunde keinen Zweifel daran, dass nur eine Herangehensweise an diese Geschichte in Frage kommt: Hirnfrei, sinnfrei und Spaß dabei! Und letzteren hatte ich reichlich.

Spaß hat man hingegen in Nanouk Leopolds Kunstkino-Kadrierung zum Thema Liebe und Treue nicht. Jeglicher Emotionen und Erklärungen beraubt, erzählt die Holländerin, die auch das Drehbuch zum Film schrieb, die Geschichte einer erfolgreichen Ärztin (überzeugend: Sandra Hüller), die aus unerfindlichen Gründen mit unbekannten und unattraktiven Männern schläft. Szene aus dem Film Brownian MovementObwohl glücklich verheiratet mit einem liebevollen und attraktiven Architekten, mietet sie ein möbliertes Appartment, um in vollen Zügen ihr Doppelleben auskosten zu können. Erst als sie auf der Baustelle ihres Mannes durch Zufall auf einen ehemaligen Liebhaber stößt, brechen nicht nur sie sondern auch ihre beiden Welten zusammen. Ihrer Psychologin (Sabine Timoteo) will sie sich nicht anvertrauen. Ihrem Mann auch nicht. Damit setzt sie nicht nur ihre Karriere sondern auch ihre Ehe aufs Spiel. „Brownian Movement“ ist ein fordernder Film, sperriges, europäisches Kunstkino, das mehr Fragen stellt als Antworten gibt. Nicht nur die Naivität der zugebenen beeindruckenden Sandra Hüller hat mich zutiefst aufgewühlt.



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