AKTUELL IM KINO

The Dinner

Alles läuft auf ein ebenso schwarzhumorig wie edelbitter aus dem Ruder laufendes Abendessen zweier Ehepaare hinaus, nach Art von „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ oder „Der Gott des Gemetzels„. Zwei lebenslang konkurrierende Brüder treffen sich samt Gattinnen in einem Nobelrestaurant, um darüber zu konferieren, wie sie mit dem schlimmen Verbrechen umgehen sollen, das ihre halbwüchsigen Söhne unlängst begingen, ohne dafür bislang belangt worden zu sein.

Das lässt sich spannend an. Der zynische Historiker Paul (sehr gut: Steve Coogan aus „Philomena„), seine zunächst um Ausgleich bemühte Frau Claire (Laura Linney aus der „Truman Show“), der sich ums Gouverneursamt bewerbende Politiker Stan (gravitätisch: Richard Gere) und dessen gut dreißig Jahre jüngere Gattin Katelyn (Rebecca Hall, „Vicky Cristina Barcelona„) geraten von Anfang an aneinander.

Die Struktur des Films orientiert sich an den einzelnen Menü-Gängen, vom Aperitif bis zum Digestif, franst aber schon bald sehr seltsam aus. Regisseur Oren Moverman („The Messenger“) verlegt den zugrunde liegenden Roman „Angerichtet“ des niederländischen Schriftstellers Herman Koch nach New York, schiebt immer wieder Rückblenden in gleich mehrere Zeitebenen ein, um den gegenseitigen Antipathien der Protagonisten nachzuforschen, verirrt sich schließlich in weit hergeholten Analogien zum amerikanischen Bürgerkrieg.

Die gestellten Fragen nach den Auswüchsen ignoranter Wohlstandsverwahrlosung und nach den Grenzen der Moral in einer immer weiter auseinanderdriftenden Gesellschaft sind gut und wichtig, doch „The Dinner“ braucht letztlich viel zu lange, um auf den Punkt zu kommen.

 




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