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Aug 2006
09
Sven Taddicken: Emmas Glück (Deutschland 2006) (gesehen am 7.08.2006, Preview mit Lesung in Köln, Regina)

Als die Kölner Journalistin Claudia Schreiber vor einigen Jahren den Roman „Emmas Glück“ schrieb, da hatte sie, wie sie heute erzählt, gleich den Wunsch und die Hoffnung, dass der Stoff einmal ein Film wird. Überraschend schnell konnte sich nicht nur ein Verlag für „Emma“ begeistern, sondern tatsächlich bald auch eine Filmproduktionsfirma.
Mit 100.000 verkauften Exemplaren vor dem Kinostart und Übersetzungen in bislang fünf Sprachen darf man bei „Emmas Glück“ getrost von einem „Bestseller“ sprechen. Ein Roman, der sich wohl weniger durch eine hohe literarische Qualität auszeichnet als durch eine anrührende Geschichte, eine tolle Charakterzeichnung und die perfekte Kombination aus Drama und Komödie. Keine schlechte Grundlage für einen Kinofilm also.

Claudia Schreiber erarbeitete zusammen mit Ruth Toma („Solino“, „Erbsen auf Halb 6“) das Drehbuch für den Film und sorgte so dafür, dass die Charaktere des Romans auch auf der Leinwand gut getroffen sind und trotz aller Änderungen am Verlauf der Handlung die „Essenz“ der filmischen Darstellung, wie sie selbst klarstellt, erhalten blieb.
Der Film beschränkt sich seiner Natur gemäß auf die äußere Handlung. Er ist frei von Rückblenden, während ein zuvor erschienenes Hörspiel, direkt im Anschluss an das Buch, sich viel mehr den psychologischen Aspekten der Protagonistin widmete. Die Figuren im Film sind so wie sie sind und es gibt kein Versuch der Erklärung, warum dies so ist.

Leider geht durch diese Reduktion auch einiges an Komik verloren. Ein unfairer Hinweis zwar, aber bei der besuchten Preview gab es vor dem Film einige ausgesuchte Leseproben (inklusive „toter Schweinehälften“) von Claudia Schreiber, die – im direkten Vergleich mit den entsprechenden Filmszenen – erhellend, erheiternd oder auch nur ergänzend wirkten. Nicht nur ich hätte vermutlich ohne das vorherige Vorlese-Erlebnis am Film deutlich weniger Spaß gehabt.

So aber sah ich – einigen Subtext im Hinterkopf – mit „Emmas Glück“ einen Film, der mir fast rundum gefallen hat. Er fängt sowohl das Gefühl der Abgeschiedenheit auf dem einsamen Bauernhof, als auch des kleinen wie des großen Glücks sowie des Sommers auf dem Land ganz wunderbar ein. Die Reduktion auf das Wesentliche, verkörpert durch nur eine Handvoll Schauspieler, ist wohltuend. Die Kamera nimmt sich oft Zeit, einfach auf einem Gesicht oder auf einer Szene zu verharren, so dass der Film eine angenehme Gelassenheit ausstrahlt. Trotz des schweren Themas driftet „Emma“ nie zu sehr ins Rührselige ab. Und wie die Umgebung von Gummersbach den Hochsauerlandkreis darstellt, na ja…

Gar nicht hoch genug zu loben ist Jördis Triebel in der Titelrolle und in ihrer ersten Kinoarbeit. Sie ist als Emma ein Glücksgriff und kann die Verschrobenheit der jungen Bäuerin wunderbar transportieren. Jürgen Vogel fällt dagegen ab und Hinnerk Schönemann als Dorfpolizist spult mal wieder sein Standardrepertoire ab (das allerdings gut ist).

Eklige Sezenen gibt es einige, wobei die Beschreibungen im Buch sehr viel deutlicher sind. Wer hingegen immer schon einmal wissen wollte, wo genau die Bauchspeicheldrüse im Schweineinneren zu finden ist? … Ob ich dagegen unzählige Male Jürgen Vogel hätte kotzen sehen müssen, weiß ich nicht. Als Zuschauer möchte man oft und gern ausrufen: „Ja, ich hab schon verstanden, danke“. „Emmas Glück“ ist dennoch schönes Kino, großes Kino, Kino für den Sommer. Hier sollte man auf keinen Fall auf die Fernsehausstrahlung warten.



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