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Apr 2008
07
Susanne Bier: Things We Lost in the Fire (USA 2007) (gesehen am 03.04.2008, Pressevorführung, Christian)

Wenn es um die richtig GROSSEN Gefühle (Trauer, Verlust, etc) im Kino geht, tut sich Hollywood nicht selten etwas schwer. Das können die Europäer manchmal viel besser heißt es in Branchenkreisen und so verwundert es nicht, dass hier eine dänische Regisseurin das hervorragend besetzte Melodram um eine amerikanische, vierköpfige Familie erzählt. Die Familie Burke aus Seattle, um die es hier geht, muss den Verlust des geliebten Ehemanns und fürsorglichen Vaters verarbeiten, der durch eine tragische Rettungsaktion ums Leben gekommen ist.

Die Dänin Susanne Bier (`Brothers – Zwischen Brüdern`, `Nach der Hochzeit`) darf sich hier erstmals an einem Hollywoodfilm versuchen, was der talentierten Regisseurin überzeugend gelingt. Audrey (Halle Berry) und Brian Burke (David Duchovny) sind seit 11 Jahren glücklich verheiratet. Als Brian eines Abends etwas Eis für seine Kinder holen will, wird er Zeuge eines tätlichen Angriffs auf eine Frau. Er will ihr zu Hilfe eilen, rechnet aber nicht damit, dass der Angreifer, ihr betrunkener Ehemann, eine Waffe zieht. Dieser Vorfall wird in Rückblenden erzählt, denn es geht hier nicht um den Vorfall selbst, sondern um die Bewältigung der Trauer nach dem Ereignis. Die zweite Schlüsselfigur ist Brian´s Schulfreund Jerry (Benicio Del Toro), ein Junkie, zu dem der erfolgreiche Familienvater Brian nie den Kontakt abgebrochen hatte. Nicht nur seine Frau war gegen diese Freundschaft. Nach der Beerdigung bittet Audrey den alten Schulfreund, bei ihr in die leer stehende Garage einzuziehen. Eine Chance für beide, den Verlust zusammen zu verarbeiten.

Dass Susanne Bier eine hervorragende Schauspieler-Regisseurin ist, hat sie nicht zuletzt mit ihrem hervorragenden Drama `Nach der Hochzeit` (2006) bewiesen. Hier bekommt sie mit dem Oscar-prämierten Duo Berry / Del Toro nun zwei Schauspieler an ihre Seite gestellt, mit denen eigentlich nichts schief gehen sollte. Eigentlich. Denn obwohl der erfahrene Kameramann Tom Stern (Kameramann zahlreicher Clint Eastwood Filme) für wundervolle Bilder sorgt, Halle Berry überzeugend die wunderschöne trauernde Witwe verkörpert und Benicio Del Toro einmal mehr eine Oscar-reife Leistung abliefert, bleibt die große, tiefe Anteilnahme aus. Der Film ist schlichtweg zu glatt, zu schön, ja fast zu rein, um hier die nötigen tiefen Gefühle erzeugen zu können.

Der Film, der bei uns „Eine neue Chance“ heißen wird, startet am 29. Mai 2008 in den deutschen Kinos.



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