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Jan 2006
10
Steven Spielberg: Munich (USA, 2005) (gesehen am 10.01.2006 in Düsseldorf, Christian)

Golden Globe Nominierung 2006, Washington Film Critics Award, … Ist der Film tatsächlich so gut, wie überall zu lesen? Das wollte ich herausfinden und habe mir die Pressevorführung in Düsseldorf angesehen. Der Film lief in der deutschen Fassung. Schade! Da ich ein klein wenig zu spät war, habe ich die ersten paar Minuten leider verpasst.
Die erste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten. In dem Film geht es zwar um das Geiseldrama bei den Olympischen Spielen 1972 in München, doch hier wird das Attentat nicht geplant, sondern es ist bereits geschehen. Nun sollen die Verantwortlichen der blutigen Tat zur Rechenschaft gezogen werden. Der israelische Geheimdienst rekrutiert für diese heikle Mission mutige Geheimdienstler aus ihren eigenen Reihen. Hauptfigur Avner Kaufmann (Eric Bana) soll as Kommando leiten, die Attentäter aufspüren und liquidieren. Da dies ein Steven Spielberg Film ist, sind die Rächer um Eric „The Hulk“ Bana keine tumben Haudrauf-Kollegen, sondern eine illustre Truppe, hervorragend besetzt (Matthieu Kassovitz, Daniel Craig, Hanns Zischler) mit unterschiedlichen Antrieben und Ambitionen. Schnell fügt sich zusammen, was sich zusammenfügen muss. Steven Spielberg und sein langjähriger Kameramann Janusz Kaminski bleiben ihren Hauptpersonen stets dicht auf den Fersen. Keine noch so unwichtige Regung entgeht dem Zuschauer dadurch. Die meiste Aufmerksamkeit gebührt jedoch dem Leiter der Truppe, Eric Bana, den Spielberg als sentimentalen, jungen Familienvater charakterisiert.
Die Dramaturgie folgt der Bodycount-Regel „Elf kleine Attentäter, da waren es nur noch zehn…“ Mit jedem Attentäter, den die Truppe ausfindig machen und liquidieren kann, begibt sie sich in größere Gefahr. So vergehen die spannenden 164 Minuten wie im Fluge. Der Film ist klasse, keine Frage, doch darf nicht vergessen werden, dass dies ein Steven Spielberg Film ist. Soll heißen, dass der Film zu jeder Zeit jede sich bietende Gelegenheit nutzt, um über Werte wie Kameradschaft, Vaterlandsliebe und – Spielbergs Lieblingsmoral – die Stellung der Familie in der Gesellschaft zu schwadronieren. Dadurch bekommt der Kinobesucher auch in diesem spannenden Film den moralischen Zeigefinger vor die Nase gehalten, wenn Eric Bana beispielsweise in einer der letzten Szenen mit seiner Tochter durch die Straßen läuft, in Rückblicken an die zahlreichen Verbrechen denkt, die er begangen hat und sich von niemandem seine rührselige Familienidylle zerstören lässt. Erst recht nicht vom eigenen Geheimdienst.
Der Film startet am 26. Januar 2006 in den deutschen Kinos.



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