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Feb 2007
26
Steven Soderbergh: The Good German (USA 2006) (gesehen am 22.02.2007, Pressevorführung, Christian)

Jetzt sind sie also da, die guten Filme, die intelligenten Filme, die Oscar-Filme. Soderberghs neuer Film zum Beispiel. Noch vor Filmbeginn gibt es das Presseheft zum Film in die Hand und ich denke mir: Huups, „Casablanca“ mit George Clooney? Steven Soderbergh, der immer mal wieder das Kino neu erfindet, siehe „Kafka“ oder „Traffic“ bedient sich hier zumindest mit dem Filmplakat und der Aufmachung des Presseheftes augenscheinlich bei einem Klassiker der Filmgeschichte.

Der Regisseur, der sonst so viel handwerkliches Geschick und eine so eigen(artig)e Kreativität besitzt, erzählt eine Liebesgeschichte im Berlin des Kriegsjahres 1945 mit bekannten Mitteln. Dabei bindet er sich selbst die Hände, indem er seine Geschichte vollständig auf entfärbtem Filmmaterial und mit alten Glühscheinwerfern dreht, die ein hartes, grelles Licht verbreiteten. Keine schlechte Idee für eine Liebesgeschichte des Jahres 1945. Aber wirklich neu ist diese Idee auch nicht. Und warum macht er es dann? Die Geschichte sei das Unwichtigste in „The Good German“, hat Soderbergh in Interviews erklärt. Aha. Es geht nicht darum, dass George Clooney Cate Blanchett liebt und Cate Blanchett ihren Film-Mann Christian Oliver, oder dass die Russen hinter den Amerikanern her sind und alle beide hinter den Nazi-Wissenschaftlern aus dem Team Wernher von Brauns. Es geht darum, dass Steven Soderbergh „Casablanca“ und „Eine auswärtige Affäre“ und den „Dritten Mann“ gesehen hat und dass er dieser Erfahrung ein Denkmal setzen will. Ein schwarzweißes. Einen Soderbergh-Film.

Das eigentlich besondere an dem Film ist aber nicht (nur) seine Machart. Es ist vor allem Cate Blanchett, die hier für ihren Auftritt als geheimnisvolle Deutsche Lena Brandt die Mimik und Gestik von Ingrid Bergman einstudiert hat. Sie verleiht dem ansonsten seltsam entrückt wirkenden Film die nötige geheimnisvolle Note, um ihrer Figur die Attraktivität zu verleihen, die Kriegskorrespondent Jake Geismer, adrett gespielt von George Clooney, so verrückt macht. Ihrem Spiel nimmt man die Ernsthaftigkeit ab, ganz im Gegensatz zur Geschichte, der man nicht glaubt, weil sie nur Vehikel für die Bilder ist statt umgekehrt. Dabei hat auch wohl das Schlussbild aus „Casablanca“ nichts zu bedeuten, weil es bloß eine Wiederholung ist, eine Postkarte des Regisseurs an die Kinogeschichte.



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