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Okt 2007
15
Stephen Simon: Gespraeche mit Gott (USA 2006) (gesehen am 14.10.2007, Christian)

Sonntage können so gemein sein. Die Sonne hat sich an diesem herrlichen Oktober-Wochenende noch einmal zusammengerissen und was mache ich? Ich sitze im Kino. Das kleine Programmkino um die Ecke hat den Film, um den es geht, passend zum Thema auf den späten Sonntagmittag gelegt. So schafft es auch die Zielgruppe, die Kirchgänger, sich die Gespräche mit Gott direkt nach dem Besuch der Messe anzuschauen. Egal. Ein wenig neugierig bin ich schon. Ist es möglich, einen Weltbestseller, indem es um Gespräche mit einer fremden Macht geht, originell für die große Kinoleinwand umzusetzen? Und was wird da passieren? Eine Stimme aus dem Off? Eine dunkle, in dichtem Nebel gehüllte Gestalt, die sich ab und zu dem Kinozuschauer präsentiert?

Das Rätsel wird gleich mit der ersten Einstellung gelüftet. Die Hauptfigur Neale Donald Walsh, ein Journalist Ende 40, liegt auf einem Sofa und hört seine eigene Stimme aus dem OFF. Außer ihm ist niemand zu sehen. Das Ganze ist dabei so dilletantisch inszeniert, dass ich bereits bei der ersten Einstellung den Kopf schütteln muss. Und so geht es auch noch weiter. Bilderbuchartig werden verschiedene Stationen der Hauptfigur präsentiert. Stets begleitet von tragenden Sphärenklängen. Dabei präsentiert sich die Lebensgeschichte von Neale Walsh im Rhythmus von Abstieg und Aufstieg wohlwollend formuliert bestenfalls im Stil eines mittelmäßigen TV-Movies. Von Henry Szerny, dem Darsteller der Hauptfigur, bekommt der Zuschauer kaum mehr als pathetische Posen zu sehen. Ein Trauerspiel. Ich weiß gar nicht, warum ich bis zum Ende sitzen bleibe? Neugierde vielleicht? Oder ist es die Genugtuung, am Ende zu wissen, wie eine Personality-Show aussehen kann, die einzig und allein dazu dient, einen Pechvogel als `Sprachrohr Gottes` zu verkaufen. Eine späte aber wichtige Erkenntnis. Ein schrecklicher Film.



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