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Mrz 2013
10
„Shootout – Keine Gnade“ von Walter Hill

Ein Film, wie ein alter Whiskey, herb, ohne Schnickschnack. Oder wie ein Treffen mit einem Freund / einer Freundin, den/die Du viele Jahre nicht gesehen hast. Man kommt ins Gespräch – und alles ist, als wäre nie etwas gewesen. Aber dazu später mehr. Wie aus einem Donald E. Westlake Roman („Parker“) entsprungen, ist auch Jimmy Bobo ein von jeglicher Moral unbelasteter Antiheld. Nur hat Jimmy seine besten Jahre bereits hinter sich. So verstohlen und erschöpft, wie er in der ersten Szene durch das Seitenfenster in ein Auto schaut, könnte man fast ein wenig Mitleid mit ihm haben. Doch Vorsicht! Mit Profikiller Jimmy Bobo ist nicht zu spaßen. Sekunden zuvor musste er einen Cop erschiessen. Und der Film will uns erzählen, wie es dazu kam. Rückblende. Weil „Bullet to the head“, so der Originaltitel, keine glorifizierende Profikiller-Sentimentalität sein will, lernt der Zuschauer zunächst den jungen Polizisten Taylor Kwon (Sung Kang) kennen.

Taylor Kwon ist Jimmy Bobo auf den Fersen. Und wenig später sein Freund. Ein ungleiches Duo, das sich zusammenrafft, weil beide ihre Partner verloren haben – und im Dickicht der größtenteils korrumpierten Polizeibehörde von New Orleans den Überblick behalten muss. Ziel ihres Rachefeldzuges und Strippenzieher aller Gräueltaten ist der Immobilien-Hai Morel (Adewale Akinnuoye Agbaje). Ein afrikanischer Ex-Diktator, der mit seinem zwielichtigen Anwalt Marcus Baptiste (Christian Slater) und seinem Erfüllungsgehilfen Keegan (Jason Momoa) ein Großprojekt nach dem anderen umsetzt. Mit tatkräftiger Unterstützung der örtlichen Polizei.

Ein ungleiches Duo, korrupte Polizisten, ein mit Leichen bepflasterter Rachefeldzug – unzählige Male sind diese Versatzstücke mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten bereits auf die Leinwände der Lichtspieltheater gespült worden. Auch „Bullet to the head“ kann der angegrauten Rachegeschichte kein neues Outfit verpassen. Ganz im Gegenteil. Was den Film so sehenswert macht, ist die fast schon nostalgisch anmutende Inszenierung von Action-Spezialist Walter Hill (“Nur 48 Stunden”, “Red Heat”). Der mittlerweile 71-jährige Altmeister ignoriert stur die Entwicklungen der letzten Jahre und führt seine beiden Helden wie einst in den 80ern durch einen erfreulich CGI-freien, äußerst effizient inszenierten, altmodischen Actionthriller, in dem Männer hart sein und Frauen beschützt werden müssen. Gespickt mit sehr unterhaltsamen One-Linern, tollen Blues-Riffs von der Tonspur und einem selbstironisch aufspielenden Sylvester Stallone als Jimmy Bobo lohnt sich der Gang ins Kino zur späten Stunde.

  

 



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