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Aug 2012
05
„Rum Diary“ von Bruce Robinson

Johnny Depp ohne Kajal und Piratenkostüm. Das wollten an diesem Premierenabend in Münster etwa 40 Besucher sehen. 30 davon waren weiblichen Geschlechts. Während in den Nachbarsälen die rothaarige Merida oder der dunkle Ritter Batman die großen Abenteuer bestehen müssen und damit für (Familien-)Unterhaltung (und volle Reihen) sorgten, weckte die Geschichte über den selbstzerstörerischen Maverick-Journalisten Hunter S. Thompson weit weniger Interesse. Johnny Depp soll es also wieder einmal richten. Und, oh Wunder, das gelingt ihm auch – und zwar mit Bravour. Denn gefallene, gescheiterte, Alkohol-umflutete Protagonisten, die hat er drauf wie kein zweiter. Auch im Film von Bruce Robinson, der lose auf dem gleichnamigen Roman von Hunter S. Thompson basiert. Richtig, das ist der Verrückte, der auch die Romanvorlage für „Fear and Loathing in Las Vegas“ lieferte. Wie Letzterer dreht sich Rum Diary um einen faulen, drogenaffinen Autor, der zwar einen anderen Namen hat, aber doch stark an Hunter S. Thompson selbst erinnert.

Johnny Depp Fans dürfen ihr Idol also nach Puerto Rico begleiten, mitleiden, wie er sein Talent für die örtliche Tageszeitung vergeudet, dabei versoffene Kollegen, windige Glücksritter und den besonderen Rum kennenlernt. Paul Kemp heißt er in dieser Romanverfilmung. Er hat eine Affäre, wird Zeuge, wie Yankee-Geldhaie eine halbe Insel fressen und landet schließlich im Gefängnis. Johnny Depp hat die Neuausgabe des „Rum-Tagebuchs“ angestoßen und den Film mitproduziert. Vielleicht hätte er sich nur für einen anderen Regisseur entscheiden sollen. Bruce Robinson („Killing Fields“, „Jennifer 8“, „Still Crazy“) inszeniert die One-Man-Show ohne Verve und Überraschungen. Und mehr noch, die Inszenierung wirkt holprig, Dramatik will kaum aufkommen, ein erzählerisches Zentrum sucht man vergebens. Selbst Pauls Liebelei mit einer aufregenden Blondine (Amber Heard) verliert sich als Episode unter vielen halbherzigen Erzählsträngen. Rum Diary wirkt fahrig und unkonzentriert, genau wie sein Held. Schade.



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Eure Kritiken zu „Rum Diary“ von Bruce Robinson

  1. tine

    Ich habe den film gestern auch gesehen, bin kein kenner von hunter s. thompson und habe „fear and loathing in las vegas“ bis heute nicht gesehen … mit diesen nicht-vorkenntnissen hat mir der film sehr gut gefallen, vor allem johnny depp (wie schafft er es, in den ausgeschlafenen momenten immer noch auszusehen wie zu 21 jump street zeiten?) und giovanni ribisi als moberg! optisch eine wahre freude und ich war durchaus gespannt wie die geschichte weitergeht …

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