BLOG

Okt 2016
13
Raving Iran

House, also Techno-Musik, ist im Iran verboten. House-Music öffentlich auflegen – das geht garnicht. „In unserem Land spielt sich alles im Untergrund ab“ beschwert sich Anoosh gleich zu Beginn. „Ich habe darauf keinen Bock mehr“. Anoosh und Arash sind zwei junge Techno-DJs aus Teheran. Wer „westliche“ Elektro-Musik im islamistisch geprägten Land hören möchte, der muss dies im Untergrund oder weit außerhalb der Stadt in der Wüste tun. Doch die beiden House-Fans wollen sich ihre Musik nicht verbieten lassen. Und gehen dafür noch einen Schritt weiter: Sie produzieren ihre Techno-Sounds selbst, vertreiben eigene CDs und veranstalten Techno-Events an geheimen Orten. Stets mit der Gewissheit, dass sie jeden Tag von der Sittenpolizei überführt und verhaftet werden können.

Die Schweizer Filmemacherin Susanne Regina `Sue` Meures heftet sich mit ihrem Kameramann Gabriel Lobos an die Fersen der beiden mutigen House-DJs. Fast entschuldigend stellt sie die Anmerkung, viele der Szenen aus „Raving Iran“ seien aus Sicherheitsgründen mit der Handykamera gefilmt, ganz an den Anfang ihrer Dokumentation. Und in der Tat finden ein Großteil der Handlung und Abläufe in verdunkelten Räumen, Tiefgaragen oder in der Dunkelheit der Wüste statt. Dadurch verstärkt die Schweizer Filmemacherin geschickt die fast krimihafte Spannung, die spannende Atmosphäre des Unerlaubten, mit der ihre beiden Protagonisten seit Jahren leben (müssen).

Immer wieder fängt die Kamera den Blick einer der beiden hinter die Gardine auf die Straße ein, um mitzuverfolgen, wer aktuell vor dem Haus steht. Klar, dass die beiden DJs überwacht werden. Ob teilweise inszeniert oder einfach nur geschickt mitgefilmt, die zwei Hauptdarsteller werden damit schnell zu Helden. Auch wenn Anoosh und Arash diese Aufmerksamkeit sichtlich genießen, so freut man sich dennoch mit ihnen, als sie einen Anruf von der Streetparade in Zürich erhalten, der größten Techno Party der Welt, in dem ihnen mitgeteilt wird, dass sie in Zürich auflegen können. Und man wünscht ihnen nur das Beste und vor allem viel Glück. Sue Meures hat ihnen mit „Raving Iran“ ein Denkmal errichtet, in einer Dokumentation über zwei unerschrockene DJs, über die Liebe zur Musik, über die Leidenschaft, die immer auch Leiden schafft, über Freundschaft und vor allem darüber, wie erfinderisch die Menschen sein können, um der Strafverfolgung eines Regimes zu entgehen.

 

 



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Blog abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*