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Sep 2011
22
Planet der Affen: Prevolution, Midnight in Paris, Gerhard Richter Painting, Freunde mit gewissen Vorzügen

Der Countdown läuft. Nur noch knapp zwei Wochen bis zu den Filmfestspielen in Oldenburg. Die Akkreditierung war bereits verschickt. Nach der eher mäßigen Woche mit den unterdurchschnittlichen Filmen hatte ich mich auf die guten Filme gefreut. Das ließen zumindest die zahlreichen Kritiken erahnen, die im Vorfeld zu meinen ausgewählten Filmen im Internet zu lesen waren. Und mehr noch, zum Prequel von „Planet der Affen“ namens „Prevolution“ oder zum neuen Woody Allen fiel sogar immer mal wieder das Wort „Meisterwerk“. Die Spannung stieg. Meine Erwartungen auch.

Vielleicht lag es an den hohen Erwartungen aber von Rupert WyattsPlanet der Affen: Prevolution“ war ich etwas enttäuscht. Damit man mich nicht falsch versteht, dieses Prequel zur „Planet der Affen“-Reihe ist kein schlechter Film. Vielleicht ist es sogar der beste Blockbuster des Jahres 2011. Nur warum so viele Kritiker diese Vorgeschichte für ein Meisterwerk halten, das ist mir bis heute ein Rätsel? Ohne Exposition wird der Zuschauer über 105 Minuten mit einer Krankengeschichte konfrontiert. Und wie diese Geschichte ausgeht, das wußte der erfahrene Filmfan lange vor dem Film. Genauer gesagt, weiß er es seit 1968. Affen werden am Ende die Weltherrschaft an sich reißen. Nur wie? Na, so viel darf man an dieser Stelle verraten, weil die böse, böse Forschung nur ihren Profit im Kopf hat. So weit, so simpel.

Szene aus dem Film Planet der Affen PrevolutionAber der Reihe nach: Der junge Wissenschaftler Will Rodman (James Franco) sucht ein modernes Heilmittel für die Krankheit Alzheimer. Seine Forschungen betreibt er mit einem Aufwand und Eifer, die über ein normales Maß hinaus gehen. Der Hintergrund: Sein Vater Charles (John Lithgow), auch ein erfolgreicher Wissenschaftler, ist eben an dieser Krankenheit erkrankt. Als Will eines Tages ein besonders ausgereiftes Medikament an einem jungen Laboraffen namens Caesar (Andy Sirkis) testen kann, stellen seine Mitarbeiter fest, das dieses Medikament eine wirklich erstaunliche Wirkung auf den harmlosen Primaten hat. Doch die erste Injektion geht schief. Caesar revoltiert, das Projekt wird eingestellt und Caesar bekommt ein neues Zuhause: Bei Will und seinem Vater Charles. Im Hause der Rodmans gehen die Forschungen weiter und Caesar entwickelt erstaunliche Fähigkeiten, die bald nicht mehr kontrollierbar sind.

Regisseur Rupert Wyatt gelingt es zwar, mit seinem ersten großen Big-Budget-Film, die richtige Mischung zwischen Drama, Action und gelungenen Reminiszenzen und Verknüpfungspunkten an seine Vorgänger zu finden. Auch die animierten Affen (Andy Sirkis und Co.) sehen im Zeitalter des CGI-Wahns richtig klasse aus. Doch bleibt dieser Reboot der angegrauten Reihe letztendlich ein innovationsloser, narrativ sehr schlichter und mit Katalogcharakteren ausgestatteter Appell an die Verantwortung der Wissenschaft. Viel zu viele Einstellungen in der beklemmende Enge der Boxen/Käfige, unnötige Charaktere (Aufpasser) sowie ein sehr schlichter, simpler Handlungsfaden sorgen eher für Unmut denn für Spannung. Wie gesagt, dieses Prequel ist kein schlechter Film, nur im Vergleich zu anderen Vorgeschichten („Star Trek“) ist diese eher eine 6/10 als eine 8, 9 oder gar 10.

Keine Angst, Woody wird´s schon richten, hatte mir ein Kollege nach der Enttäuschung mit den Affen versprochen. Auch Gesa-Marie ist nach der PV des Films „Midnight in Parisrichtig begeistert gewesen vom nächtlichen Städtetrip. Nur frage ich mich jetzt nach der Sichtung, nach all der Euphorie der Kollegen, mit welch einfachen und wenigen Mitteln lassen sich Kulturkener heutzutage schon „verführen“? Reicht es, wenn ein amerikanischer Drehbuchautor im nächtlichen Paris umherstreift und ohne seine unsympathische Verlobte in ein Auto einsteigt, das ihn ins Paris der 20er Jahre fährt? Und dann noch nicht genug der Träumerei, bringt der Filmemacher diesen Autor mit berühmten historischen Persönlichkeiten zusammen, um mit ihnen Floskeln auszutauschen? – Oh, mon Dieu!

Szene aus dem Film Midnight in Paris

Gil (Owen Wilson), Ernest Hemingway (Corey Stoll), Gertude Stein (Kathy Bates)

Woody Allen schickte im zarten Alter von 75 in seinem mittlerweile 67. (!) Film also wieder einmal sein Alter Ego auf die Reise. Diesmal nach Paris. Und weil über die Stadt an der Seine schon alles erzählt wurde, lässt Allen seine Hauptfigur (in Person von Owen Wilson), scheinbar gänzlich weltentrückt, auf Gertrude Stein, Ernest Hemingway, Scott Fitzgerald, Salvatore Dali und andere Künstler treffen. Diese Persönlichkeiten aus der Malerei, der Musik, der Literatur und dem Film hatten sich tatsächlich in den 20ern irgendwann einmal in Paris aufgehalten. Aber alle zur gleichen Zeit, in einer Kneipe bzw in einem Viertel? Klar, es ist eine Träumerei! Ein unterhaltsames „Meet and Greet“. Namedropping a la Woody Allen. Aber sonst? Dieser Film ist so leicht, er schwimmt sogar in Milch. Oder auch davon. Eine Altherren-Träumerei. Mit den Treffen, Gesprächen oder auch mit der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit will Allen nichts zu tun haben. Ein amerikanischer Drehbuchautor, ein paar nächtliche Zeitsprünge, einige historische Perönlichkeiten, fertig ist die leichtfüßige Unterhaltung. So oberflächlich, dass ich den Rest auch schon wieder vergessen habe.

Szene aus der Dokumentation Gerhard Richter PaintingEine Auseinandersetzung ganz anderer Art hatte ich nur wenig später mit einem Film, der einen nachhaltig bleibenden Eindruck bei mir hinterließ. Die Filmemacherin Corinna Belz besuchte mehrere Male über einen Zeitraum von drei Jahren den wohl bedeutendsten deutschen Maler des 21. Jahrhunderts – Gerhard Richter. Während ihrer Recherche für die Dokumentation mit dem schlichten Titel „Gerhard Richter Painting“ war sie im Vorfeld über eine Aussage Richters gestolpert, die der Maler in einem Fernsehinterview getätigt hatte: „Über Malerei kann man nicht reden. Denn Malerei ist eine andere Form des Ausdrucks. Wie soll man einen Film über einen Maler machen, der über seine Arbeit nicht reden kann oder will? Corinna Belz belässt bei einer Betrachtung. Keine Interviews mit Kuratoren oder Kunstkennern, nur die Arbeit und die Arbeiten Richters werden mit der Kamera festgehalten. Selten kommt so der schüchterne Künstler zu Wort. Einen Mehrwert haben seine trocken-ironischen Aussagen nicht. Aber er lässt die Kamera in seinem Schaffensprozess zu. Schicht für Schicht geht Corinna Belz so den Arbeiten auf den Grund. Dadurch enstand ein ehrlicher, ein eindringlicher Film. Und vielleicht auch einer der intensivsten Dokumentationen, die je zum Thema Malerei entstanden sind. Klasse!

Nach dieser positiven Überraschung folgte eine weitere nur einen Tag später auf dem Fuße. Mit der überraschend guten Komödie „Easy A – Einfach zu haben“ (2010) von Will Gluck hatte ich die größten Befürchtungen, dass sein zweiter großer Film „Freunde mit gewissen Vorzügen“ von den Hollywood-Strategen auf Erfolg getrimmt und in der Mühle der Blockbuster-Mechanismen zerrieben wird. Aber nichts dergleichen. Szene aus dem Film Freunde mit gewissen VorzügenZugegeben, zuerst bedient sich Gluck, der auch am Drehbuch mitschrieb, gehörig im großen Fundus der Hollywood-Romantic-Comedy-Klischees, um sie – und das ist das Schöne – am Ende selbstironisch auf die Spitze zu treiben. Als die junge New Yorker Headhunterin Jamie (Mila Kunis), den Webdesigner Dylan (Justin Timberlake) kennenlernt, ist sie nicht nur von seiner beruflichen Qualifikation begeistert. Es funkt zwischen beiden! Doch Jamie und Dylan sind keine Teenager mehr und wissen mittlerweile ganz genau, dass der jeweils andere die Art von Person ist, mit der sie keinesfalls eine Beziehung führen würden. Wenn, ja wenn da nur nicht dieser Sex wäre. Also wird man einfach zu Freunden mit gewissen…. Das Konzept scheint zu funktionieren. Doch selbst in der zwanglosesten Beziehung, so die Moral von der Geschicht´, sollte man irgendwann Verantwortung übernehmen. Natürlich erfindet Regisseur Will Gluck die Rom-Com nicht neu. Und im Vergleich zu seinem Vorgänger „Easy A“ bewegt er sich noch zaghafter zwischen den engen Grenzen und Konventionen des Genres. Doch die Chemie stimmt. Und das ist die Hauptsache. Gelungene Unterhaltung, die nicht vorgibt, etwas anderes zu sein.



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