BLOG

Jun 2014
06
„Pfarrer“ von Stefan Kolbe und Chris Wright

Eine Dokumentation über Pfarrer/in-Anwärter. Gesehen in der Bistums-Stadt Münster, einer Stadt mit dem dritthöchsten Katholiken-Anteil pro Einwohner in Deutschland. Ich rechne am Premierentag mit einem gut gefüllten Kinosaal. Und sollte nicht enttäuscht werden. Wohl aber über die Dokumentation, die manchmal den Inhalt hinter die Art der Darstellung zurückstellt.

Ob es am Untertitel lag, dass die Vorstellung so gut besucht war an diesem sonnigen Donnerstagmittag? „Gott und Verstand haben auch nichts miteinander zu tun.“ Puh, harte Worte für einen gläubigen und praktizierenden Katholiken. Wesentlich einprägsamer fand ich eine weitere Aussage aus dem Seminar, um das es in den 90 Minuten geht: „Gott kann der Ursprung dessen sein für Dinge, die wir nicht verstehen.“ Zwei Atheisten begeben sich in die Lutherstadt Wittenberg in ein Prediger-Seminar für examinierte evangelische Theologen. Chris Wright und Stefan Kolbe wollen zeigen, wie junge Menschen zu Pfarrern werden und warum sie so sehr an Gott glauben. Immer wieder rückt das Mikrophon von Chris Wright ins Bild. Er selbst später auch. Der gebürtige Engländer ist neugierig ohne dabei aufdringlich zu sein, weniger demaskatorisch sondern klar und reflektiert, nie vorwurfsvoll, selbstdarstellerisch oder zynisch. Beide nehmen das Milieu, in dem sie filmen, ernst. Und das ist gut so. Aber auf die Frage nach dem Sinn von Gott und Religion bekommen die bekennenden nicht-gläubigen Filmemacher die unterschiedlichsten Antworten. Oft halbgar, was manchmal hölzern wirkt.

Klar, ein Kamerateam in einem Prediger-Seminar; verständlich, dass auch die Befragten nach Antworten suchen und diese auch gar nicht geben wollen. An acht mal zehn Tagen, verteilt auf ein Jahr, besuchten die beiden Filmemacher die Seminaristen. Einige Teilnehmer werden näher beleuchtet und befragt, andere bleiben über die 90 Minuten stumm. Somit ist es auch ein Film über Lars, Almut, Christoph und Björn. Alle um die 30. Die meisten bereits Eltern.

Obwohl immer mit dem nötigen Respekt und der zwingend erforderlichen Distanz agierend, gelingt es den beiden Filmemachern jedoch nicht, Faszination, Bereitschaft oder Zweifel für und an dem Beruf eines Pfarrers bzw. einer Pfarrerin herauszustellen. So bleiben am Ende lediglich die Bilder einiger gemeinschaftlicher Rituale und von unzähligen Wassertropfen, Radfahrten oder Joggingläufen im Kopf hängen, nicht aber die Frage nach dem „Warum“.

 

 

 



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Blog abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*