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Feb 2007
14
Olivier Dahan: La Vie en Rose (Frankreich 2006) (gesehen am 12.02.2006 in Köln, Regina)

Wenn schon Musiker-Biographien, oder nur kurz Biopics, in Mode sind, dann war die Verfilmung des Lebens von Edith Piaf, der berühmtesten Sängerin Frankreichs, wirklich überfällig. Ein Jahr nach dem „Man in black“ Johnny Cash kommt nun also die Frau im „Kleinen Schwarzen“ in die deutschen Kinos.

Eine Mode ist es auch, Filme mit der letzten Szene anzufangen und die Geschichte dann von hinten in Rückblenden aufzudröseln. Oder im Zeitablauf hin und her zu springen. Oft hat man da das Gefühl, jemand möchte seinen mittelprächtigen Film interessanter machen als er ist. „La vie en rose“ hätte dieses Stilmittel nicht nötig gehabt. „La vie en rose“ ist so oder so ein großartiger Film.

Olivier Dahan, der hier als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion auftritt, war bislang international höchstens mit „Die purpurnen Flüsse 2“ aufgefallen. Seine Piaf-Darstellerin Marion Cotillard hatte mit schon Luc Besson, Jean-Pierre Jeunet und Tim Burton gedreht und César-Nominierungen eingefahren, ohne jedoch den ganz großen Durchbruch zu schaffen. „La vie en rose“ wird beide in die vorderste Linie katapultieren.

Marion Cotillard spielt sich die Seele aus dem Leib, der Film steht und fällt mit ihr und damit, wie glaubwürdig sie eine nationale Ikone verkörpert. Dabei konzentriert sich „La vie en rose“ sehr stark auf die ganz private Piaf. Ihr „Hofstaat“ spielt eine große Rolle. Das Abarbeiten von Berühmtheiten, mit denen Edith Piaf befreundet war, spart sich der Film jedoch. Lediglich zu Marlene Dietrich gibt es eine kleine und schöne Randnotiz.

Ein paar Ungereimtheiten und unfreiwillig komische Details gibt es in den
Episoden aus Ediths Kindheit: Da wird zum einen ein kleines pummeliges Mädchen mehrfach als schwächlich und schlecht genährt bedauert. Zum anderen muss sich der Zuschauer fragen, ob die Kleine denn nicht auch mal eine Schule besucht hat. Und als sich das Kind recht unvermittelt nach (in ihrer Biografie immerhin vier Jahren) der Erblindung die Augenbinde vom Gesicht nimmt, kann es gleich wieder sehen und das Licht, das sonst für Menschen schon nach zweiwöchiger Dunkelheit eine Qual ist, stört gar nicht.

Wie schon bei „Walk the line“ strebt auch in „La vie en rose“ alles auf die eine finale Konzertszene zu. Piafs Chansons, hier teils im Original digital remastered, teils interpretiert von Jil Airgot zu hören, sind natürlich Dreh- und Angelpunkte des Films. Christopher Gunning hat zusätzlich einen stimmungsvollen Soundtrack geschaffen. Bei dem prallvollen Leben, das Piaf gelebt hat, hätte der Film auch nach einem anderen ihrer Erfolge benannt werden können: „Je ne regrette rien“. Er drückt eigentlich alles aus, was diese Künstlerin ausmachte. Und auch ich bedauere nicht, „La vie en rose“ gesehen zu haben. Ganz im Gegenteil.



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