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Aug 2006
06
Oliver Stone: World Trade Center (USA 2006) (gesehen am 4.08.2006, Pressevorführung, Christian)

Oliver Stone ein Gefühlsduseliger Patriot? Mit Spannung wurde die filmische Aufarbeitung der 9/11-Anschläge des amerikanischen Regisseurs erwartet. Doch nach dem Film ist man vor allem eins – überrascht. Hollywoods vornehmster Verschwörungstheoretiker („JFK“), („Platoon“) liefert mit seinem aktuellen Film „World Trade Center“ ein zutiefst apolitisches Katastrophen-Drama ab. Im Gegensatz zu Paul Greengrass´ „Flug 93“ spiegelt er die Geschehnisse des berühmtesten Dienstages der amerikanischen Nachkriegsgeschichte anhand zweier New Yorker Schicksale wieder: Die der Familien McLoughlin und Jimeno.

Wie jeden Morgen klingelt auch am Morgen des 11. September 2001 der Wecker des erfahrenen Sergeants John McLoughlin (Nicholas Cage) um 3.30 Uhr in der Früh. Der angesehene Polizist hatte sich mit seiner schönen Frau Donna (Maria Bello) und seinen vier Kindern weit vor den Toren der Stadt New Yorks ein schickes Anwesen gekauft und muss so jeden Morgen eine stundenlange Anreise in Kauf nehmen. Auf der Wache des Port Authority Police Departments trifft er auf seine Kollegen, unter anderen auch auf Will Jimeno (Michael Pena). Nachdem McLoughlin den Tages-Einsatzplan mit allen Mitarbeitern besprochen hat, ist in den Nachrichten von einem Angriff auf das World Trade Center die Rede. McLoughlin organisiert einen Trupp, mit dem Vorhaben, das Gebäude so schnell wie möglich räumen zu lassen. Am Ort des Geschehens angekommen, eröffnet sich den jungen Polizisten ein Bild des Schreckens. Mit Helmen, Gasmasken und weiterem Gerät bewaffnet, dringt das Team in den ersten Turm ein und wird bald darauf unter den einstürzenden Betonmassen begraben. Nur McLoughlin und Jimeno überleben den Einsturz, der Überlebenskampf beginnt.

Stone inszeniert ein ungewöhnlich stilles Heldenstück in der Optik eines Big-Budget-Katastrophenfilms, „A story of courage and survival”, wie er selbst sagt. Er presst die wahre Geschichte zweier Polizisten in ein tausendfach bewährtes Hollywood-Format: Die in einer ausweglosen Situation verharrenden Protagonisten entscheiden sich zur Heldenhaftigkeit. Dazwischen wird immer wieder das Leiden der Familienangehörigen eingeblendet. Die Helden gehen mit schmerzverzerrtem Gesicht durch die Katharsis einer Katastrophe samt Weichzeichner-Rückblenden und religiösen Visionen. Und schlussendlich findet die glückliche Kleinfamilie Amerikas wieder zusammen. Da Oliver Stone sein Handwerk versteht, werden die meisten den Kinosaal nicht verlassen, ohne heimlich eine Träne verdrückt zu haben. Doch am Ende macht sich auch ein Gefühl der Wut breit. Die Wut darüber, von diesem patriotischen Heldenstück ohne Ecken und Kanten ganz schön eingelullt worden zu sein.



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