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Jan 2006
15
Oliver Hirschbiegel: Ein ganz gewöhnlicher Jude (D, 2005) (gesehen am 15.01.2006 in Münster, in Anwesenheit des Hauptdarstellers Ben Becker, Christian)

Der deutsche Schauspieler Ben Becker stellt seinen neuen Film vor. Münster ist eine von fünf deutschen Städten, die sich über einen Besuch des Schauspielers Becker freuen dürfen. Mit ein bisschen Verspätung düst Ben Becker an diesem verregneten Sonntagabend samt Gefolgschaft durch das Kino-Foyer des Münsteraner Cineplexes und steuert zielstrebig auf die wartenden Journalisten zu. Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung legt die Münsteraner Presse los. „Hallo, Herr Becker, an was arbeiten sie gerade?“ Becker: „Bitte nur Fragen zum Film.“ „Ok, Herr Becker, besteht jetzt nicht die Gefahr, der Vorzeigejude zu werden?“ Becker:“ Ich bin ein Schauspieler, der einen Menschen spielt, keinen Vorzeigejuden.“ So geht es noch ein wenig weiter. Ben Becker hat keinen Bock auf die Fragen und keinen Bock auf das Publikum, dem er sich nach der Vorstellung des Films stellen soll. Es war auch etwas ungeschickt von den Verantwortlichen des Münsteraner Cineplexes, Herrn Becker ein Mikrophon in die Hand zu drücken und ihn alleine vor der Kinoleinwand stehen zu lassen. Fragen wie: “Können sie den Weg des Drehbuchs nachzeichnen?“ zerren an Herrn Beckers Nerven. Nach sechs Fragen wird die Prozedur von ihm abgebrochen. Autogrammkarten hat er keine dabei, wohl aber Zeit für ein großes Weizen und ein langes Gespräch mit seiner Pressedame, dass er sich nach der Vorstellung gönnt. Ein paar Informationen über den Film hinaus hatte er dann doch noch parat. Zurzeit sei er mit seiner Band unterwegs und zwischendurch trägt er noch Texte von Alfred Döblin, Klaus Kinski, Jack London und Schiller vor, um der jüngeren Generation die Modernität dieser Texte zu vermitteln. Aha, hoffentlich erledigt er diese Aufgabe mit mehr Verve als seinen Besuch in Münster.



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