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Jun 2014
24
„Oktober November“ von Götz Spielmann

„Film ist die Kunst, mit hübschen Frauen hübsche Sachen anzustellen.“ Francois Truffaut. In die Kategorie (die es streng genommen natürlich nicht gibt) „Hauptgrund für den Filmbesuch ist der Name der/s Schauspieler/in“ fällt bei mir oft der Name Nora von Waldstätten. Seitdem ich die Karriere der selbstbewussten Wienerin verfolge, mich von ihrem Auftritt im Olivier Assayas Mini-Biopic „Carlos“ begeistern ließ und sie zu ihrem 2008er Film „Parkour“ interviewen durfte, ist das Interesse an Filmen mit Nora von Waldstätten stets gestiegen. Deshalb war auch eine Sichtung ihres aktuellen Kinofilms „Oktober November“ eine Selbstverständlichkeit. Zudem vor der Kamera ihres Landsmannes Götz Spielmann, dessen Drama „Revanche“ 2009 für den Oscar(R) nominiert war.

Diese „Einflussnahme“ stelle ich bewusst vorweg, denn natürlich darf man an dieser Stelle wie gewohnt eine kritische, unabhängige und unbefangene Auseinandersetzung mit einem Film erwarten. Nun dazu: Der erste von nur wenigen Drehorten ist ein Filmset in Berlin. Nora von Waldstätten ist Sonja, eine junge, sehr gefragte TV-Darstellerin. Wie in einem Making-Of schaut der Zuschauer zu Beginn bei Dreharbeiten zu einem Krimi zu, in dem es um eine kaltblutige Mörderin geht. Die Rahmenhandlung dieses TV-Films steht allzu deutlich auf dem Gerüst von Bob Rafelsons 80er-Jahre Meisterwerk „The postman always rings twice“.

Mit dieser Einführung gelingt es Götz Spielmann zum einen, die Privatperson Sonja abseits der Kamera und die Darstellerin Sonja vor der Kamera kennenzulernen, zudem den Beruf einer Darstellerin zu ehren und zum anderen mit wenigen Szenen eine geheimnisvolle Person zu skizzieren, deren Lebenselixier die Verfremdung, das Vortäuschen fremder Tatsachen, das Schlüpfen in verschiedene Rollen zu sein scheint. Nora von Waldstätten gibt diese Sonja als eine unnahbare Schönheit, bei der man aber von Anfang an vermutet, dass hinter ihrer Fassade einiges nicht stimmt.

Nach einem Anruf auf Sonjas ständig klingelndem Smartphone wechselt der Drehort. Ein Gasthaus in Österreich. Ein kränkelnder Vater. Heimat. Sonja ist anscheinend die jüngere von zwei unterschiedlichen Schwestern. Sie wurde von der älteren gerufen, nachdem der Vater (Peter Simonischek) von einem Herzinfarkt nach Hause zurückgekehrt ist. Zusammen mit ihrer Schwester, die mit Ehemann und Kind das Gasthaus der Eltern weiterführt, übernehmen beide die Pflege des Vaters und versuchen zudem, sich wieder näher kennen zu lernen. Ganz am Ende wird ein alter Mann seinen Frieden finden.

Der Tod als Familiendrama. Der Krankheitsverlauf bestimmt dabei die Dramaturgie des Films. Ein Drama, das häppchenweise und wohl dosiert neue kleine und größere Geheimnisse innerhalb und außerhalb einer Familie ans Licht führt. Zudem wird Dank der beiden herausragenden Darstellerinnen Nora von Waldstätten und Ursula Strauss der Zuschauer einmal mehr in ein zwar herkömmliches aber packend inszeniertes Drama hineingezogen, mit dem sich Regisseur Götz Spielmann wieder einmal als Könner der kargen aber pointierten Inszenierung beweist.

 

 

 



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