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Nov 2016
05
Ökonomie der Liebe, Die

Was mit Paaren geschieht, denen nach langer Zeit die Liebe abhandengekommen ist und die dennoch bis auf Weiteres aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sind, gemeinsam und im Familienzusammenhang weiterzuleben, davon erzählt der neue, sehr konzentriert inszenierte Film des belgischen Regisseurs Joachim Lafosse („Privatunterricht“). Das Ehepaar Marie (Bérénice Bejo aus „The Artist“) und Boris (Cédric Kahn, „Mein ziemlich kleiner Freund“) hat sich eigentlich längst getrennt. Weil sich der prekär verdienende Freiberufler keine eigene Wohnung leisten kann, müssen sie sich weiterhin gemeinsam mit den neunjährigen Zwillingstöchtern dasselbe Apartment teilen.

In oft unbewegten, langen Einstellungen beobachtet Lafosse den mal stillen, passiv-aggressiven, mitunter aber auch eskalierenden Kleinkrieg der beiden Ex-Verliebten, in deren Dialogen es meist nur noch ums Geld geht – zum Beispiel darum, wie hoch der Betrag wäre, den Marie, die die weiträumige Parterrewohnung samt Garten einst kaufte, an Boris, der sie aufwendig ausbaute, auszahlen müsste, falls er denn auszöge.

„Die Ökonomie der Liebe“ erinnert an Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“, nur dass das psychologische hier einem ökonomischen Erkenntnisinteresse gewichen ist. Lafosse geht der Frage nach, wie sehr Liebe und Familie den Einzelnen in wirtschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse verstricken, ergreift dabei nie Partei für Marie oder Boris. Er manipuliert nicht mit Rückblenden oder anderen Sentimentalitäten und beschränkt sich (bis auf das dramatische Schlusskapitel) ganz auf seinen Apartment-Schauplatz. In dieser Konsequenz ist der Film ebenso faszinierend wie herausfordernd.

 

 

 



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