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Jul 2015
05
„Nachthelle“ von Florian Gottschick

Der kleine Ort in der Lausitz liegt wie ausgestorben in der Sommerhitze, nur die alte Krämersfrau sitzt noch vor ihrem Laden. Bald schon wird hier alles dem Braunkohletagebau zum Opfer fallen: Ein Dorf verschwindet. Um sich von dem Haus, in dem sie aufwuchs, zu verabschieden, reist die 41-jährige Anna (Anna Grisebach) für ein sommerliches Wochenende an, in Begleitung ihres jungen Lovers Stefan (Vladimir Burlakov). Auch Bernd erscheint, Annas Ex-Freund, gespielt von Benno Fürmann. Im Schlepptau hat er seinen Lebensgefährten, den Psychoanalytiker Marc (Kai Ivo Baulitz).

Was wie ein Paar-Drama nach Art deutscher Ferienhaus-Filme wie „Alle anderen“ oder „Sommer ´04“ anhebt, wechselt bald die Tonart. Ein tragischer Todesfall kurz vor der Wende, der Anna und Bernd verbindet, drängt aus dem Unterbewusstsein hervor, erotische Spannung liegt paarübergreifend in der schwülen Luft. Irgendwann verliert Anna den Bezug zur Realität, und auch der Film hält sich nicht mehr an die Einheit von Zeit und Raum.

„Nachthelle“ ist der Hochschul-Abschlussfilm von Florian Gottschick, der in den Nullerjahren im Umfeld der Filmwerkstatt ein umtriebiger Geist der münsterschen Filmszene war. Zusammen mit Carsten Happe, Co-Leiter des Filmfestivals Münster, schrieb er ein Drehbuch, das clever zwischen romantischer Mystery und analytischem Beziehungsdrama oszilliert. Die flirrenden, hypnotischen Sommerbilder aus der irrealen Tagebaulandschaft ziehen den Zuschauer langsam in Bann, und neben den Gastauftritten von Gudrun Ritter und Michael Gwisdek überzeugt vor allem Fürmanns souveränes Spiel.

 

 

 



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