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Dez 2012
17
„Müll im Garten Eden“ von Fatih Akin

Es ist ein Skandal, der nicht nur sprichwörtlich zum Himmel stinkt: Ein 2000-Einwohner-Bergdorf in der Türkei wehrt sich gegen den Bau einer großen Mülldeponie – und verliert den Kampf. Dieses Duell David gegen Goliath begleitete der Hamburger Filmemacher Fatih Akin mit der Kamera – eine Herzensangelegenheit, denn seine Großeltern wohnten einst im betroffenen Dorf. Camburnu liegt im Nordosten der Türkei, nur wenige Kilometer vom Schwarzen Meer entfernt. Das Fleckchen Erde bietet viele grüne Hänge, ein ausgezeichnetes mildes Klima und nicht zuletzt die idealen Anbau-Bedingungen für hervorragenden Tee. Um den täglich wachsenden Müllbergen in der Region und vor allem aus der benachbarten Stadt Trabzon Herr zu werden, hat sich die Regierung von Ankara 1995 auf die Suche nach einem geeigneten Standort für eine Deponie gemacht – und ist schnell fündig geworden: Die still gelegte Kupfermine in den Bergen von Camburnu, direkt vor der Haustür der Bewohner. Deren Bedenken werden jedoch von Beginn an überhört, die Klage des Bürgermeisters wird abgeschmettert und die Deponie unter Umgehung mehrerer Bau- und Umweltschutzbestimmungen 2007 gebaut.

Die Chronologie eines Umwelt-Skandals: Nicht nur während und nach den ortsüblichen Starkregen, auch sonst dringen von Anfang an viel zu oft ungehindert Giftstoffe ins Grundwasser. Ein Klärbecken wurde viel zu klein dimensioniert, Geo-PVC-Planen reißen noch während der Fertigstellung der Deponie. Alltägliche Ereignisse in der Türkei? Kein Einzelfall? Von diesem Umweltskandal in Camburnu hätte die Welt nie erfahren, würden die Großeltern von Fatih Akin nicht aus dem Dorf in den Bergen stammen. Auf seiner Recherche zum Film „Auf der anderen Seite“ hat der Hamburger Filmemacher von den Ereignissen in der Heimat seiner Vorfahren erfahren. Unter Mithilfe eines örtlichen Fotographen dokumentierte er seit 2007 diesen Skandal. Entstanden ist ein eher emotional als sachlich motivierter und argumentierender Film. Mehr Land- und Leute-Dokumentation ohne Fakten, ohne einen hilfreichen Off-Kommentar, insgesamt wenig erhellend oder gar unterhaltsam.

Hier ein Interview mit Fatih Akin über seine Dokumentation.

  



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