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Jul 2011
17
Mr. Poppers Pinguine, Barneys Version, Der mit dem Wolf tanzt, Larry Crowne

An dieser Stelle wieder einige Filme im Schnelldurchlauf: Am 17. Juni war ich einer Einladung zu einer Pressevorführung gefolgt. Besser gesagt, zwei Einladungen. 20th Century Fox hatte zu einer Vorführung von Mark Waters „Mr. Poppers Pinguine“ geladen und Universial Pictures wollte vier Wochen vor Filmstart „Barneys Version“ vorstellen. Die Erinnerung an die Familienkomödie mit Jim Carrey und seinen Pinguinen ist schon fast ein wenig verblasst: Nach einem vielversprechenden Beginn (Der Funk-Empfänger knarzt. Der weltreisende Vater meldet sich) entwickelte sich der Film so schlimm formelhaft vorhersehbar, dass einem später selbst die sechs Hauptdarsteller leid taten. Nicht einmal Jim Carreys spätpubertäre Performance als Pinguinen-Papa konnte den Film retten. Familienidylle a la Hollywood mit sechs Pinguinen. Mark Waters Appell an die Familienwerte enttäuschte auf ganzer Linie. Albern und vorhersehbar.

Szene aus dem Film Barneys VersionDeshalb schnell zum wesentlich besseren Film „Barneys Version“ von Richard J. Lewis. Zusammen mit seinem Drehbuchautor Michael Konyves adaptierte Lewis den gleichnamigen Roman des 2001 verstorbenen kanadischen Schriftstellers Mordecai Richler und besetzte die Titelfigur, einen Antihelden, mit dem herausragenden Paul Giamatti. Für Giamatti (im Februar für seine Leistung mit einem Golden Globe ausgezeichnet) ist dieser Film neben Sideways sicherlich DER Schlüsselfilm. „Die wahre Geschichte meines verschwendeten Lebens“ nennt der TV-Produzent, Zyniker und Zigarrenraucher Barney Panofsky seine retrospektive Lebensbeichte, die den erzählerischen Rahmen des Filmes liefert. Lewis und Knyves basteln daraus 134 Minuten bestes Schauspielerkino. Eine kapitelhafte Hommage und eine berührende Geschichte über den politisch inkorrekten, sein Leben impulsiv auskostenden, aufbrausenden und furchtlos offenherzig und emotionalen Barney Panofsky. Ein toller Film mit einem sehr überzeugenden Ensemble (Dustin Hoffman, Rosamunde Pike). Unbedingt sehenswert.

Szene aus dem Film Der mit dem Wolf tanztAm 27. Juni durfte ich im Rahmen der Münsteraner Filmwerkstatt Festivitäten zum 30-jährigen Bestehen einen persönlichen Lieblingsfilm aus den vergangenen dreißig Jahren vorstellen. Ich hatte mich für Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“ entschieden. Denn Kevin Costners Abenteuerdrama aus dem Jahre 1990 erfüllt meines Erachtens nach nahezu alle Anforderungen an ein Meisterwerk. Darüber hinaus hat er für das Genre neue Impulse gesetzt, was nur sehr wenigen großen Werken gelingt. Das Western-Genre galt zu Beginn der 90er Jahre als tot. Der Autor, Regisseur und Hauptdarsteller brach mit den festen Regeln und entwickelte einen Antihelden, einen Soldaten, der sich das Leben nehmen will. Der behutsamen und mitfühlenden Erzählweise, den tollen Landschaftsaufnahmen, der zurückhaltenden aber eindringlichen Musik und den glaubhaften Dialogen ist es zu verdanken, dass der Zuschauer diesen Antihelden ins Herz schließt. Zudem werden so ambivalent wie kritisch Werte vermittelt, wie Frieden, Harmonie, Toleranz, Völkerverständigung und gegenseitiger Respekt, die ich – auch aufgrund dieses Films – verinnerlicht habe und zu meinen Werten gemacht habe. Was kann ein Film mehr leisten?

Am 1. Juli folgte in der heißesten Woche des Jahres (bis zu 34 Grad) zum Monatswechsel der Besuch von Tom Hanks und Nia Vardalos´ Rezessions-Drama „Larry Crowne“. Zugegeben, ich hatte mich auf den Film gefreut, vielleicht auch, weil wir jetzt im Besitz eines Rollers sind, der sowohl auf dem Filmplakat zu Larry Crowne als auch vom Filmteam auf ihrer PR-Tour werbeträchtig in Szene gesetzt wird. Hanks spielt in seinem Film einen Angestellten mittleren Alters, der in einem Supermarkt von seinen Kollegen geschätzt und geliebt wird. Eines Tages wird er während der Arbeitszeit ins Büro zitiert. Doch dort warten keine lobenden Worte und eine Gehaltserhöhung auf ihn, sondern seine Vorgesetzten und die Kündigung – angeblich, weil er kein Studium vorweisen kann. Von heute auf morgen ohne Einkommen und mit hohen Schulden belastet, entschließt er sich kurzerhand, wieder die Schulbank zu drücken und seinen Abschluss nachzuholen. Eine gute Entscheidung, denn in der Abendschule trifft er auf viele junge Mitstudenten und vor allem auf die ansprechende Lehrerin Mercedes Tainot (Julia Roberts). Na ja. Tom Hanks als personifizierte Krise des amerikanischen Arbeitsmarktes? Ich finde, Hanks eigene Rezessions-Romanze (Co-Autor, Regie) zündet nur auf Sparflamme, zu flach sind die Charaktere, wenig homogen wirkt die Chemie zwischen den Hauptakteuren und zu deutlich prangen die Durchhalteparolen von der Leinwand. Downsizing im Look einer Screwball-Komödie mit RomCom-Elementen. Nee, das funktioniert nicht.



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