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Jun 2011
02
Mike Mills: Beginners (USA 2010), gesehen in der OF am 27.05.2011 in Düsseldorf, Pressevorführung

„This is what love feels like“ verspricht das Filmplakat. Und die hervorragende Kamera des Dänen Kasper Tuxen versucht alles, um die Komplexität, die mit der Beschreibung dieses Gefühls einhergeht, umzusetzen. Dabei verhält sie sich zu Beginn eher wie ein verliebter Teenager. Mal liegt sie am Boden, dann spingt sie auf und ab, sie zoomt, fokussiert, wandert von links nach rechts und wieder von rechts nach links. Mal aus dem Blick eines Hundes, dann wieder in die Totale. „Kuntsvoll“ könnte man dies nennen. Feinfühlig gar. Oder auch „überambitioniert“, wenn man dies nicht mag. In den ersten bedrückend schönen Szenen lernen wir Oliver (Ewan McGregor) kennen. Der Graphik-Designer packt die Sachen seines verstorbenen Vaters (Christopher Plummer) zusammen. Hal – Familiennamen tauchen im ganzen Film nicht auf – ein ehemaliger Museumsdirektor, war wenige Tage zuvor an Krebs gestorben, nachdem er sich als schwul geoutet und die letzten Tage seines Lebens noch einmal in vollen Zügen genossen hatte.

Zahlreiche schöne Menschen (Ex-Emergency-Room-Arzt Goran Visnjic, Mélanie Laurent, China Shavers) betreten die Szenerie. Weggefährten, Liebhaber, Arbeitskollegen. In Rückblenden und mit zahlreichen Zeitsprüngen versucht Regisseur Mike Mills, der auch das Drehbuch zum Film schrieb, das schwierige aber doch zärtliche Verhältnis zwischen Vater (Plummer) und Sohn (McGregor) zu skizzieren. Das gelingt ihm zu Beginn ganz hervorragend, behutsam, feinfühlig. Doch nach etwa einer Stunde verliert er die Vater-Sohn-Beziehung aus den Augen. Vor dem Tod seines Vaters hatte sich Oliver in die junge französische Schauspielerin Anna verliebt. Damit fehlte Oliver die Zeit, um das aufzuholen, was schon lange nicht mehr aufzuholen war.

Vater-Sohn-Drama, Liebesgeschichte, Midlife-Crisis, Trauerdrama… „Beginners“ will alles sein. Vielleicht ein bisschen zu viel. Die wunderbaren Darsteller, allen voran die junge Mélanie Laurent, versuchen alles, um aus ihren wenigen kurzen Szenen das Bestmögliche herauszuholen. Was ihnen teilweise hervorragend gelingt. Auch wenn ihnen in dieser Achterbahnfahrt der Gefühle das Drehbuch nicht viel Raum zur Entfaltung ihrer Figur gibt. Denn sind alle Personen erst einmal vorgestellt, dreht sich die Geschichte im Kreis. Und Mike Mills verliert ob der schönen Bilder, die von einer hervorragenden Musik (Brian Reitzell) untermalt werden, sein Ziel aus den Augen. „This is what love feels like“ ist dann doch eine Nummer zu groß für ihn.



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Eure Kritiken zu Mike Mills: Beginners (USA 2010), gesehen in der OF am 27.05.2011 in Düsseldorf, Pressevorführung

  1. Udo

    Ich hatte das Glück, den Film in einer OmU-Preview zu sehen. Und ich muss sagen, ich bin sehr begeistert von dem Film. McGregor und Plummer überraschen als durchaus authentisches Vater-Sohn-Gespann. Die Regie von Mike Mills ist hervorragend, genaus wie die Musik. Ich habe mich zu keiner Sekunde gelangweilt. Ein toller Film!

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