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Aug 2007
16
Michael Winterbottom: Ein mutiger Weg (USA 2007) (gesehen am 06.08.2007, Pressevorfuehrung, Christian)

Verliebt zu sein heißt oft auch verrückte Dinge zu tun. Wer kennt das nicht. Im Filmgeschäft kann dies zu den ungewöhnlichsten Vorfällen führen. Die Hauptrolle in einem Film mit seiner neuen Liebe zu besetzen zum Beispiel. Oder überhaupt einen Film erst ins Kino zu bringen, der die Geschichte einer starken Frau erzählt. Verliebte Produzenten dürfen das. Und verliebte und erfolgreiche Regisseure oder Schauspieler, die einen Film (mit)produzieren, dürfen das schon lange. Die Liste, aus diesem Grund eine Geschichte zu verfilmen, reicht von Ernst Lubitsch (Pola Negri) über Josef von Sternberg (Marlene Dietrich) bis hin zu Renny Harlin (Geena Davis) oder Len Wiseman (Kate Beckinsale). Nun kann man dieser Liste einen weiteren Namen hinzufügen. Hollywood-Star Brad Pitt hat die Aufzeichnungen der Journalistin Mariane Pearl `auserwählt`, um diese mit seiner neuen Liebe Angelina Jolie in Szene zu setzen. Dabei fungiert der Schauspieler hier nicht als Regisseur, sondern als Produzent.

Mariane Pearl, geborene van Neyenhoff, ist Kubanerin, aufgewachsen in Paris und von Beruf Journalistin. Als sie den Wall-Street-Journal- Korrespondenten Daniel Pearl kennenlernt, verliebt sie sich in ihn und es wird schnell geheiratet. Der Film, der die Aufzeichnungen von Mariane Pearl wiedergibt, erzählt die Geschichte des Ehepaares Pearl in der Zeit nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Die Pearls, Mariane ist hoch schwanger, reisen nach Pakistan, um etwas über die Drahtzieher der Anschläge zu recherchieren. Das Ende der Geschichte dürfte bekannt sein, weil die Aufzeichnungen der Journalistin Pearl im Jahr 2004 um die Welt gingen: Daniel Pearl wird einen Tag vor der Rückreise nach New York in einen Hinterhalt gelockt, entführt und wenige Tage später bestialiasch hingerichtet.

Nachdem Regisseur Winterbottom in langen Einstellungen das chaotische Leben in der pakistanischen Stadt Karadtchi eingefangen hat, bleibt er bei seiner Hauptdarstellerin und erzählt die weiteren Geschehnisse aus Sicht der Journalistin Mariane Pearl. Angelina Jolie verkörpert die Hauptfigur überzeugend und glaubhaft. Doch hier tritt wieder einmal das ein, was bei vielen verliebten Regisseuren oder Produzenten passiert, die eine weibliche Hauptrolle mit der rosaroten Brille besetzen: Von der neuen Liebe kann es zahlenmäßig gar nicht genug Einstellungen geben. Wenn Frau Jolie sich nicht ein- oder zwei- sondern dreimal – ein Schaumbad nimmt, wenn sie sich den schwangeren Bauch streichelt, wenn sie mehrfach einfach nur den Raum betritt oder beim buddhistischen Gebet gezeigt wird, verschmelzen Charakter und Star, der Zuschauer erlebt die Invasion des Boulevard-Glamour-Stars in den Film und über dessen Anliegen. Das ist schade, auch weil Regisseur Michael Winterbottom, der Moralist des Weltkinos, sichtlich um Authenzitität bemüht ist.



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