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Mrz 2008
03
Martin Scorsese: Shine a light (USA 2007) (gesehen am 28.02.2008, Preview in Köln, Christian)

Entweder man mag sie oder man mag sie nicht. Die Rede ist von Konzertfilmen im Kino, manchmal auch „Musikkino“ genannt. Und damit sind die „reinen“ Konzertfilme gemeint, keine Biopics a lá „Ray“ (2004), „Walk the Line“ (2005) oder „Control“ (2007), sondern nur das Konzert. Vom Aufbau bis zum Schlussakkord. Wenn allerdings ein Regisseur vom Format eines Martin Scorsese („Taxi Driver“, „GoodFellas“, „The Departed“) Künstler mit der Kamera begleiten will, sollte man etwas genauer hinschauen. Wir haben es getan und waren, obwohl wir eher den ungefilterten Live-Genuss bevorzugen, ganz angetan.

Vorweg: Martin Scorsese mag Musik und er mag Dokumentationen. Bereits 1978 begleitete er die Rolling Stones, um die es hier auch geht, bei einem Konzert und machte daraus eine Konzertdoku namens „The Last Waltz“. Sehr sehenswert. Eher unbemerkt blieb fast drei Dekaden später seine Bio-Doku über Bob Dylan.

In „Shine a light“ lassen es die Stones bei ihren zwei Auftritten zugunsten einer Charity-Organisation von Ex-Präsident Bill Clinton im New Yorker Beacon Theatre (2600 Plätze) so richtig krachen. Vorher präsentiert uns Maestro Martin Scorsese kurz schwarzweiße Splitter aus den Vorbesprechungen mit der Band. Es wird viel telefoniert, gescherzt, diskutiert (über Kamerapositionen und das Publikum). Die wichtige Setlist erhält der Regisseur schließlich erst kurz vor dem ersten Ton. Davor taucht Bill Clinton samt Gefolge kurz auf, er ist selbst ganz aufgeregt, Handshake, Smiling-Faces, los geht´s. Hier bekommt man schon ein Gefühl davon, was die Stones alles geleistet haben. Die einzelnen Songs werden nur durch kurze Interview-Schnipsel, vornehmlich aus den Anfangstagen der Band, unterbrochen. Eine angenehme Abwechslung. Dass es Scorsese wie kein zweiter versteht, die Magie dieser Band einzufangen, versteht sich von selbst. Die unzähligen Kameramänner sorgen für die Gänsehaut-provozierenden Bilder. Man hat als Zuschauer das Gefühl, als würde man direkt auf der Bühne stehen. Wie schreibt es ein Kollege: „Wenn Keith Richards die Gitarre klingen lässt und Mick Jagger auf der Bühne herumspringt, als wäre er kaum älter als Zwanzig, wenn junge schöne Mädchen in den ersten drei Reihen johlend stehen und damit ihr Fantum beweisen, dann wird das ungebrochene Charisma dieser Band bewußt.“

Nach dem Abspann nimmt Scorsese dieser Doku jede Schwerkraft, in dem er einen vorherigen O-Ton einstreut: „Wie das Publikum wohl reagiert?“. We like it! Mehr ist dem nicht hinzuzufügen.

Diese Doku ist ab dem 04.04.2008 in den deutschen Kinos zu sehen.



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