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Dez 2009
30
Martin Provost: Seraphine (Belgien, Frankreich 2008) (gesehen am 21.12.2009, Münster, Christian)

Wer sich ein- oder vielleicht auch schon mehrmals gefragt hat: Woran erkenne ich eigentlich gute Kunst?, dem empfehle ich zur Zeit zwei Weiterbildungsmaßnahmen: Zum einen die nett gemeinte TV-Sendung des SWR „Nie wieder keine Ahnung“ (Aufnahme zum Beispiel über Save.tv) und zum anderen diesen Film. `Seraphine` ist ein Biopic über die gleichnamige Malerin, die später unter dem Namen Séraphine de Senlis bekannt wurde. Der Film nähert sich der Hauptperson durch eine zweite wichtige Figur: Im Sommer 1912 mietet sich der deutsche Kunsthändler und Autor Wilhelm Uhde (Ulrich Tukur in einer Art Fortsetzung seiner Filmfigur in Hanekes „Das weiße Band“) mit seiner Schwester Anne Marie (Anne Bennent) in einem Haus in Senlis, einem Örtchen nördlich von Paris, ein. Die Vermieterin stellt ihm als Haushaltshilfe die Einheimische Séraphine Louis (Yolande Moreau) zur Seite. Und wie es der Zufall will, entdeckt Uhde das künstlerische Talent seiner Haushaltshilfe und begeisterten Malerin, deren Mentor er wird.

`Seraphine` ist der erste Spielfilm des französischen Theater- und Filmschaffenden Martin Provost. Das ist beachtlich, denn Provost macht mit diesem schwer zu inszenierenden Biopic nur sehr wenig Fehler: Er zieht seine Protagonistin nicht auf die Psycho-Couch oder findet lediglich Bilder zu entscheidenden Lebenssituationen. Mit seinem Biopic wirft er vielmehr zentrale Fragen der Kunstkritik auf. U.a.: Was ist Kunst? Diese Frage dürfte jeder Zuschauer nach dem Film unterschiedlich beantworten. Mit seiner herausragenden Darstellerin Yolande Moreau, die man vielleicht noch aus der belgischen Groteske „Louise Hires a Contract Killer“ kennt, räumte Provost in diesem Jahr gleich sieben `Césars` ab. Und das völlig zurecht. Sehenswert.



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