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Okt 2015
03
„Magie der Moore“ von Jan Haft

Wenn es in einer Dokumentation um Moore geht, dürfen die bekannten Verse einer deutschen Dichterin, die mit „Der Knabe im Moor“ betitelt sind, natürlich nicht fehlen. Und so „schaurig es ist, übers Moor zu gehen„, wie es einst die im Münsterland beheimatete Dichterin Annette von Droste-Hülshoff im Jahr 1841 so treffend beschrieb, so packend sind die 99 Filmminuten dieser filmischen Reise in´s Moor, die der Münchner Jan Haft knapp 200 Jahre später für´s Kino auf sich nahm. Wobei „eine“ Reise weit untertrieben ist. Fünf Jahre hat der Naturfilmer und sein Team an knapp 70 verschiedenen Orten verbracht. Über 250 Stunden Filmmaterial wurden unter und über Wasser und aus der Luft zusammengetragen, um die „Magie der Moore“ auf der großen Leinwand zu entfalten.

Enstanden ist dabei die vielleicht atemberaubendste Natur-Dokumentation seit „Mikrokosmos“ oder „Unsere Erde„. Warum? Weil bereits der Einstieg meisterhaft ist: Bäume bewegen im Zeitraffer ihre Äste wie menschliche Körperteile, Spinnen weben ihre Netze zu wahren Meisterwerken. Und selbst sumpfige Böden erzählen mit ihren Metamorphosen Geschichten, die jedem Betrachter die Augen zum Staunen öffnen. Zusammen wirkt das alles verdammt spooky und macht vor allem eins: neugierig auf mehr. Wer hätte gedacht, dass keine andere Landschaft so gegensätzliche Emotionen weckt wie das Moor? Und ein stiller Dialog mit diesem faszinierenden Biotop auch über 99 Minuten vergehen wie im Fluge?

Ob es an den faszinierenden Zeitraffer-Aufnahmen liegt? Oder am angenehm sanften Timbre von Axel Milberg im Off-Kommentar? In ganz wenigen Naturdokumentationen gelingt es den Filmemachern eine perfekte Balance zu finden zwischen faszinierenden Aufnahmen ohne Pathos, einem Abwechslungsreichtum in der Bilderfolge ohne Redundanz und einem nötigen Begleitkommentar ohne vermenschlichte Beschreibungen der Abläufe. Jan Haft und sein Team hat sich über viele Jahre in meist sehr schwer zugängliches Gelände gewagt und Naturschausspiele eingefangen, für die selbst Naturliebhaber nie die Zeit oder ein Auge übrig hätten. Hier stimmt nicht nur die Balance. Hier stimmt auch die Qualität der Bilder. Zu toppen vielleicht nur noch von einem längeren Besuch im Moor selbst. Aber bitte im Anschluss an diese meisterhafte Dokumentation!

 




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