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Jan 2017
23
Luca tanzt leise

Nein, Luca tanzt garnicht mehr. Zumindest nicht mehr so oft. Mit Ende 20 will die Berlinerin (klasse: Martina Schöne-Radunski) endlich ihr Leben in den Griff bekommen. Denn Luca hatte „ein paar dunkle Jahre – so 15 bis 25„. Deshalb holt sie zur Zeit ihr Abitur nach und jobbt nebenbei als Kellnerin. Eine richtige Aufbruchstimmung will sich bei Luca allerdings nicht einstellen, das verdeutlicht gleich zu Beginn die Eingangsszene: Ein Wecker klingelt, Luca macht ihn aus und bleibt erst einmal liegen. Kennen wir wohl alle. „Depression“ heißt es dann oft, weil die Gesundheitsindustrie natürlich einen Namen dafür hat.

Für die nötige Abwechslung sorgt bei Luca nicht nur ihr Hund, den sie in Bulgarien vor dem Tod gerettet hat und um den sie sich liebevoll kümmert, sondern auch ihr immer-mal-wieder randalierender Freund (Sebastian Fräsdorf). Manchmal steht spontan ihre beste Freundin vor der Tür, die Luca als Begleitperson für ausschweifende Berliner Clubnächte inklusive Herbergsmutter missbraucht oder der nette Herr Pfeiffer, Lucas Abitur-Klassenkamerad, der bei seinen Englisch-Problemen ihre Hilfe benötigt. Letzterer scheint der einzige Mensch zu sein, der nicht ständig irgendwelche Forderungen stellt.

Philip Eichholtz, der seinen Film persönlich im Cinema in Münster vorstellte, heftet sich ganz nah an Lucas Fersen. Ein wenig Andreas-Dresen-like, verständnisvoll aber irgendwie auch ein bisschen zu aufdringlich. Viele Szenen seien frei improvisiert, berichtet Eichholtz. Er habe diesen Film nach seinem Kleinod „Liebe mich!“ (2015) und einem persönlichen Schicksalsschlag 2015 machen müssen – und beim Schreiben sofort Martina Schöne-Radunski im Kopf gehabt, die ihn bei Tom Lass` „Käptn Oskar“ so beeindruckt hat.

Im Stile der inzwischen etwas überstrapazierten Mumblecore-Bewegung (Handkamera, Verzicht auf künstliches Licht, viel Improvisation) ist „Luca tanzt leise“ ein weiterer kleiner, durchaus sehenswerter Beitrag aus der „Darling Berlin“-Reihe („Käptn Oskar“, „Love Steaks“, „Lotte“), bei dem zwar nicht jeder Anschluss und jeder Schnitt sitzt, der aber vor allem Dank Schöne-Radunski als Luca für ehrliche, kurzweilige und unterhaltsame 70 Minuten sorgt.

 

 



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