BLOG

Mai 2006
05
Liz Friedlander: Dance! – Jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt (USA 2006) (gesehen am 03.05.2006, Pressevorführung Köln, Regina)

„You can change your life in a danceclass“: Sir Simon Rattle hatte das erkannt und Thomas Grube und Enrique Sanchez Lansch machten einen ganz wunderbaren Dokumentarfilm („Rhythm is it!“) über Rattles Großprojekt. Vor Rattle hatten schon andere Leute die Idee, das Leben von Kindern und Jugendlichen via Tanzausbildung zu verändern. Zum Beispiel der New Yorker Tanzlehrer Pierre Dulaine. Er rief ein bis heute bestehendes Projekt ins Leben, bei dem Schulkindern kostenlos klassische Tänze vermittelt werden. Gerade erst lief die Doku „Mad Hot Ballroom“ im Kino, die genau das zum Thema hatte.

Nun also ein mehr oder weniger fiktiver Film über Pierre Dulaine und sein
soziales Projekt. Klassische Tänze, so Dulaine, fördern vor allem Vertrauen und den Respekt anderen gegenüber. Aus den Kindern wurden in „Dance!“ Jugendliche und von denen bekam jede(r) eine hübsche Biografie aus der Underdog-Klischeekiste an die Brust geheftet. Diesmal sind es Hip-Hopper aus den unteren sozialen Schichten, die via Tanz
ihren Weg finden. Entsprechend cool ist das Auftreten, sind die Bilder, sind die Schnitte und die Beats. Nicht umsonst hat sich die Regisseurin von „Dance!“ zuvor einen Namen mit Musik-Videoclips gemacht.

Zuerst wollen die Kids nicht, dann wollen sie doch und am Schluss tanzen sie sich natürlich in die Herzen der New Yorker Society. So weit die sattsam bekannte Story, die wir aus allen 3000 US-Tanzfilmen der letzten Jahrzehnte kennen. „Dance!“ spricht ein hauptsächlich junges Publikum an. Die Musik ist aus Hip-Hop und Tanzklassikern von Gershwin & Co. ebenso passabel wie beliebig zusammengerührt und Banderas bewegt sich recht geschmeidig über die Tanzfläche.
In der gesehenen O-Ton-Vorführung war es zudem ganz nett, seinem starken spanischen Akzent zu lauschen.

Die anderen Darsteller wirken als wandelnde Klischees überzeugend und besonders Rob Brown („Rock“) kann man eine beeindruckende Leinwand-Präsenz attestieren. Tanzfilme sind – ebenso wie Mentorenfilme oder die Kombination aus beidem – im Grunde ein ziemlich abgenudeltes Thema. Dennoch schaffen es alle paar Jahre Streifen des Genres, zum Hit und Must-See einer Generation zu werden. „Grease“,
„Saturday Night Fever“, „Dirty Dancing“ und „Flashdance“ waren solche Erfolge. Wie wohl die Chancen der „Dance!“-Verquickung von Hip-Hop und Standardtanz in Zeiten von quotenträchtigen RTL-Promitanzkursen stehen?



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*