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Apr 2011
25
Klaus Wirbitzky: Der Himmel hat vier Ecken (D 2010), gesehen am Ostermontag 23.04.2011 in Münster

Ostermontag, strahlend blauer Himmel, die Sonne brennt schon am Vormittag um 11. Ich hatte mich auf ein nettes Gespräch mit dem Regisseur und dem Darstellerteam von „Der Himmel hat vier Ecken“ gefreut, doch leider Fehlanzeige. Nach leeren Sälen in anderen Premierenkinos in Deutschland, hatte das Team den Besuch in Münster kurzfristig abgesagt. Kinder- bzw. Jugendfilme will niemand mehr sehen. Erst recht nicht an den Osterfeiertagen. Vielleicht eine gute Entscheidung des Teams. Denn auch die Vorstellung in Münster war schlecht besucht. Die Zeit der Kino-Erfolge mit den „Wilden Kerlen“ oder den „Wilden Hühnern“ liegt lange zurück. Heute steht „Fantasy“ bei den Kids auf dem Wunschzettel. Das junge Publikum will Filme wie „Beastly“, „Ich bin Nummer Vier“ oder „Red Riding Hood“ sehen. Das Durchschnittsalter in den Sälen ist dramatisch gesunken.

Einige Filmemacher scheinen die veränderten Sehgewohnheiten noch nicht mitbekommen zu haben. Klaus Wirbitzky beispielsweise. Er erzählt die Geschichte des 13jährigen Joschi, der mit seinem arbeitslosen Vater in eine Hinterhofwohnung zieht. Diese – aus meinen Augen tolle Wohnung irgendwo im Hamburger Schanzenviertel – will er als „Behausung“ in einem „Problemviertel“ verstanden wissen. Also versammelt der Filmemacher in dem Mietshaus alle klischeebelasteten Charaktere, die man aus deutschen Doku-Soaps, aus dem Vorabendprogramm oder aus der Lindenstraße so kennt. Den Ex-Soldaten, der als Hausmeister mit einem amputierten Bein die Anwohner terrorisiert, die kasachische Familie, die nur Alkohol und Spielwetten im Kopf hat, die Künstlerin, die an ihrer eigenen Courage verzweifelt und einige verliebte Mitschülerinnen aus Joschis Klasse. Da Joschi Mozart-Fan ist und in einem Kirchenchor singt, hat er große Probleme, sich in diesem Mikrokosmos zurecht zu finden. Bis er bei einem Schlagabtausch mit Klassenrowdy Niko (Lukas Mrowietz) ungeahnte Steherqualitäten beweist.

Lieber Herr Wirbitzky, mit allem Respekt, diese Milieustudie zwischen Innenhof, Boxring und Schule ist ganz großer Mist! Wer Filme für Kinder- bzw. Jugendliche dreht, sollte doch wissen, wie das Zielpublikum redet, handelt und miteinander umgeht. Hier stimmt gar nichts.



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Eure Kritiken zu Klaus Wirbitzky: Der Himmel hat vier Ecken (D 2010), gesehen am Ostermontag 23.04.2011 in Münster

  1. ichsagsdir

    Dummes Geschwätz, weitgehend. Der Besuch in Osnabrück wurde nicht wegen der schlechten Besuche anderswo abgesagt, sondern aufgrund der Bitte der Kinomacher in Münster, wohin die HIMMEL-Truppe vor ihrem Abstecher nach O’brück am selben Morgen gefahren wäre. Am O-Sonntag gab es eine toll besuchte Vorführung in Hannover, eine in Lüneburg. Trotz Osterhase, trotz Sommerwetter, trotz Ferien. Vor allem haben die Reaktionen der 8- bis 13-Jährigen dort und überall, wo der Film sonst lief/läuft,
    Akzeptanz und bisweilen Begeisterung gezeigt. Man darf von seiner eigenen verkorksten Vorliebe für Hollywood-Pseudo-Phantasie (ist ja in Wirklichkeit das Gegenteil von Phantasie anregen) nicht auf die anderer Kinder schließen. Und vor allem sollte man auf der einen Seite weder die Zukleister-Power der Millionen-Budgets noch auf der anderen Seite die Kreativität, das Interesse, die Phantasie von Kindern unterschätzen. Nicht umsonst hat DER HIMMEL HAT VIER ECKEN den (Kinder-)Publikumspreis des Augsburger Kinderfilmfestes Anfang Aril 2011 bekommen. Von waschechten Fünftklässlern, ohne Beteiligung von Erwachsenen.

    • Christian Gertz

      Hallo „ichsagsdir“,

      erst einmal vielen Dank für ihren/deinen Kommentar. Es wäre für weitere Kommentare nett, wenn unsere Kommentatoren etwas mehr Mut beweisen würden und ihre Meinungen nicht unter dem Deckmantel der Anonymität verstecken. Schließlich sind die Autoren auch so ehrlich/mutig und verwenden ihre richtigen Namen. Zum anderen möchte ich mit der Bemerkung „Dummes Geschwätz“ auf die Netiquette hinweisen, die es auch bei uns gibt.

      Zu ihrem Kommentar ein paar Richtigstellungen: Nach Rücksprache mit den „Kinomachern“ in Münster ist ihre Aussage falsch, dass aufgrund der Bitte der „Kinomacher“ der Besuch in Osnabrück abgesagt wurde. Auch falsch ist – wenn sie das sagen wollten -, dass der Besuch in Münster von Seiten der „Kinomacher“ abgesagt worden ist. Hier gab es lediglich nach einigen Rücksprachen mit Betreibern anderer Premierenkinos, die von einem „sehr schlechten“ (O-Ton) Besuch der Vorstellungen (z. Bsp. Lüneburg 14 Besucher) berichteten einen Rat. So wurde in einer (vor dem Besuch kurzfristigen) Korrespondenz seitens der Verantwortlichen in Münster lediglich ein Anstoß gegeben, über eine Reise nach Münster nachzudenken.

      Nach Rücksprache mit Zorro-Film, die den Film in Deutschland vertreiben, hat der Film „Der Himmel hat vier Ecken“ seit Filmstart in Deutschland (am 21.04.2011) Stand heute (2.05.2011) insgesamt 613 Besucher. Zum Vergleich, Filme für die jüngere Zielgruppe, als Beispiel „RIO“ (Quelle: Mediabiz Blickpunkt:Film) hatte 725.192 Besucher, (Start 07.04.) oder „Red Riding Hood“ 70.851 Besucher (Start 21.04.). Selbst deutsche Filme wie „Der ganz große Traum“ (Start 24.02.), bis heute 163.960 Besucher oder „Dschungelkind“ (Start 17.02.) mit insgesamt 261.176 Besuchern und einem Besucher/Kopien-Schnitt von 22 kommen auf bessere Zahlen. Zahlen sind kein Qualitätsbeweis für einen Film. Aber vor diesem Hintergrund spricht auch Zorro-Film von einem enttäuschenden Start, ich nenne das einen Flop.

      Wenn Sie/Du schreiben/schreibst, dass es „überall begeisterte Reaktionen der 8- bis 13-Jährigen“ gab, nehme ich an, dass Du/Sie Mitglied des Teams des Films sind/bist? Als solches solltest Du wissen, dass es auch negative Besprechungen zu einem Film geben kann. Ich bin ein großer Fan von Kinder- und Jugendfilmen (siehe Text zum Kinderfilmfest Münster 2010) und besuche regelmäßig Kinderfilmfeste. Ich denke, dass ich nach vielen Jahren Berufserfahrung gute von schlechten Kinderfilmen unterscheiden kann. Also habe ich auch keine „eigene verkorkste Vorliebe für Hollywood-Pseudo-Phantasie“ und schließe auch nicht diese „Phantasie auf die anderer Kinder“ (wie Du/Sie schreibst/schreiben). (Bitte mal ein Blick auf kritische Rezensionen werfen.) Und noch viel weniger unterschätze ich die Phantasie von Kindern. Es gibt so viele gute Kinder- und Jugendfilme, auch in Deutschland. Mein Auftrag als Journalist ist es, auf diese hinzuweisen und diese zu beurteilen.

      Mit meinem Urteil zum Film „Der Himmel..“ schließe ich mich dem Urteil meiner Kollegen wie beispielsweise Jens Hinrichsen von der Filmdienst („begrenzter Film hinsichtlich der etwas holprigen Dramaturgie“), Kollege Lasso von der Blickpunkt: Film („ein skurriles Konglomerat aus Boxerkrimi, Coming-of-Age-Story und Scheidungsdrama“) oder Maurice Lade von critic.de („.. bei der Umsetzung sehr schematisch und mutlos“) an.

      Bedenke aber, dass Filmkritiken immer die subjektive Meinung der Reszensenten wiedergeben. Mit freundlichen Grüßen aus Münster,

      Christian Gertz

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