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Dez 2006
28
Kevin MacDonald: Der letzte König von Schottland (USA / GB 2006) (gesehen am 21.12.2006, Pressevorführung, Christian)

Ich möchte hier einen Film empfehlen, der mich (und uns, wie im Audio-Kommentar zu hören ist) nachhaltig lange Zeit gefesselt hat. Ich hatte mich nicht vorbereitet auf diesen Film und wurde mit voller Wucht in das Afrika der siebziger Jahre hineinkatapultiert. Es ist jedoch nicht das Afrika wie man es vielleicht von Sydney Pollock („Jenseits von Afrika“) oder Hermine Huntgeburth („Die weisse Massai“) kennt, es ist das Afrika aus Sicht eines jungen, etwas naiven schottischen Arztes, dargestellt vom überzeugenden schottischen Jungdarsteller James McAvoy. | Ohr mp3-Kommentar anhören (3min)

Als dieser Anfang der 70er Jahre seine Heimat gen Afrika verlässt, um so der Aufsicht und Kontrolle seines dominanten Vaters zu entkommen, ahnt er noch nicht, dass er es erstens mit einer Arbeit unter den schwierigsten Bedingungen zu tun bekommt und zweitens wenig später im Kreis der engsten Vertrauten des ugandischen Diktators Idi Amin landen sollte. Es ist ein Zufall, den Garrigan auf die Person des gerade durch einen Putsch an die Macht gekommenen General treffen lässt. Nach einem Autounfall Amins ist Garrigan als erster zur Stelle und darf die leichte Verletzung des neuen Machthabers verarzten. Im Eifer des Gefechtes erlöst Garrigan im Affekt eine verletzte, heilige Kuh durch einen beherzten Schuss von ihren Leiden. Amin ist schwer beeindruckt und offeriert dem jungen Arzt als Zeichen seiner Dankbarkeit und Hochachtung den Posten des Leibarztes. Garrigan nimmt den Job an und lässt sich anfangs lange Zeit von der charismatischen Persönlichkeit Amins blenden. Viel zu lange genießt er das privilegierte Leben im Kreis des Diktators wie sich bald herausstellen soll, bis, ja bis sich seine Sichtweise ändert, Garrigan seine Augen öffnet und die Brutalität erkennt, mit der sich „sein“ General an der Macht hält.

Menschenrechtsorganisationen schätzen die Zahl der unter Amin verschleppten und ermordeten Regimegegner auf bis zu 300.000.
Was aber den Film von Kevin MacDonald so sehenswert macht, sind nicht die beeindruckende Kamera oder die überzeugenden Regieeinfälle, die ein Afrika von einer ganz anderen, politisch brutalen und unerfahrenen Seite zeigen, nein, es ist der Schauspieler Forest Whitaker, der im Vergleich zu James McAvoy zwar deutlich weniger Leinwandzeit hat, dem Film aber mit seinem brillanten Spiel als Diktator Idi Amin, das zwischen Verführer und brutalem Herrscher changiert, seinen Stempel aufdrückt. Von der oft zitierten Afrika-Romantik bis hin zur atmosphärischen Dichte eines Psychothrillers, dieser Film nimmt den Zuschauer auch Dank Whitaker mit auf eine spannungsgeladene Achterbahnfahrt, die man nicht verpassen sollte.

Start in Deutschland: 15.03.2007



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