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Julian Schnabel – A Private Portrait

Julian Schnabel ist „bigger than life“. Diese Aussage hört man in Pappi Corsicatos Dokumentation über den Künstler, Maler, Filmemacher und Architekten Julian Schnabel immer wieder. Mit „Julian Schnabel – A Private Portrait“ untermauert Corsicato diese Statements anhand zahlreicher privater Aufnahmen, Interviews und Ausschnitte aus Schnabels Filmen. Ein respektabler Ansatz für eine Dokumentation über einen Künstler. Doch dieser Ansatz stellt sich am Ende als falsch heraus, weil damit nicht nur die nötige kritische, journalistische Distanz fehlt, sondern schlimmstenfalls das Porträt zu einer sonnenumfluteten Beweihräucherung verwässert wird. Wie im Fall „Julian Schnabel – A Private Portrait“.

Beginnend mit zahlreichen Fotos über sein frühkindliches Talent, inklusive Off-Kommentar der stolzen Mutter („he was and he is always bigger than life„) bebildert Schnabel Freund Corsicato brav chronologisch eine Erfolgsgeschichte, die von ersten Ausstellungen im Teenageralter über die großen neo-expressionistischen Erfolge der 1980er bis zu einer Gedenkveranstaltung für den verstorbenen Freund Lou Reed reicht. Noch auf der Trauerfeier sprechen Reed-Witwe Anderson und U2-Frontmann Bono anerkennende Worte für den Maler ins Mikrophon. „Private“, wie das Porträt verspricht, sind diese Statements jedoch nicht. Es ist bekannt, dass Julian Schnabel als Person alles andere als einfach ist. Seine (körperliche) Größe hat er oftmals eingesetzt, genau wie seine Lockenpracht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Auch heute, im Alter von 66 Jahren, tritt Schnabel oft und gern mit edlen Seidenpyjamas mit weißer Paspelierung auf.

Immer wieder ist vom großen Talent des Malers die Rede, von seinen Gemälden, die so riesig sind wie sein Ego und damit perfekt zum Zeitgeist der exzessiven 80er-Jahre passten, in denen Bescheidenheit keine Zier war. Eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Arbeiten gibt es allerdings nicht. Gelobt wird von der Familie (Ex-Frauen und diverse Kinder wie Vito Schnabel) vor allem sein Genie, seine Energie und sein Durchhaltevermögen. Dabei zählte Schnabel neben Jean Michel Basquiat und Keith Haring zu den Hauptvertretern des amerikanischen Neoexpressionismus. Schade, dass sich die redundanten Statements über seine Energie und sein Schaffen schnell abnutzen. Viele der Statements verharren dabei im Umkreisen genialischer Klischees, was sich heute, fast 40 Jahre nach seiner künstlerischen Hochphase als Maler in den 80ern sehr weichgespült anhört.

Warum der Maler in den 90-ern eine zweite Karriere als Filmregisseur startete bleibt ebenso unbeantwortet wie Einblicke in seine Krisenzeiten. Die Doku zeigt Schnabel viel lieber bei seiner Arbeit als Regisseur an Filmen, in denen auch seine Kinder Rollen übernahmen. Und von denen nicht zuletzt der sehenswerte Film „Schmetterling und Taucherglocke“ aus dem Jahr 2007 bekannt sein dürfte, wofür er den Regiepreis in Cannes erhielt. Schnabel, der die Doku über sich selbst mit-produzierte, zeigt sich selbst gern als großmütigen Patriarchen eines Clans voll schillernder, kreativer Persönlichkeiten. Somit kommt diese 84-minütige Collage eher einer Huldigung denn eines interessanten Privatporträt eines Künstlers gleich. Lust auf dessen Werke und dessen Schaffen macht diese Doku (anders als beispielsweise „Banksy – Exit Through the Gift Shop“, „Gerhard Richter Painting„, „Pina“ oder „Beuys“) nicht.

 



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