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Feb 2006
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Josué Méndez: Días de Santiago (gesehen am 22.02.2006 in Köln, Regina)

Die Kölner Firma W-Film ist bekannt für ihre sorgfältig zusammengestellten Kurzfilmprogramme („Night of the Shorts“), die an eine stattliche Anzahl deutscher Kinos verliehen werden. Nun hat sich der kleine Verleih erstmals entschlossen, einen Langfilm ins Programm zu nehmen. Die Wahl fiel auf den peruanischen Streifen „Días de Santiago“, den die W-Filmer 2004 auf dem Mannheimer Filmfestival entdeckten. Als spanisches Original mit deutschen Untertiteln startet er nun mit ganzen 3 Kopien in den deutschen Kinos, so dass man mitunter ein wenig Geduld haben muss, bis das sehenswerte Drama in die eigene Stadt kommt (alle Kinos und Termine unter Dias-de-Santiago.de).
Santiago, die von Pietro Sibille sehr eindringlich verkörperte Hauptfigur, kehrt nach Jahren als Soldat im peruanisch-equadorianischen Krieg zurück in seine Heimat. Er sucht inneren Frieden und ein ganz normales bürgerliches Leben. Doch die Rückkehr in die Normalität ist schwer, zumal die Umwelt wenig Verständnis für den ehemaligen Kämpfer hat. Der Zugang zu „Días de Santiago“ ist vielleicht nicht ganz einfach. Doch wer ein bisschen Geduld hat und sich auf Josué Méndez‘ Erstlingswerk einlässt, wird reich belohnt. Aus Lateinamerika kamen in den letzten Jahren viele interessante Filme, nicht nur seichte Telenovelas. Aus Peru allerdings hat man bislang noch nicht viel gehört. Dabei bietet das Leben in einem Land nach 20 Jahren Bürgerkrieg und einer – wie es scheint – kollektiven Amnesie viel Stoff, der allgemeingültiger ist, als man glauben sollte. Josué Méndez versucht, den Wechsel von Farb- und grobkörnigen Schwarz-Weiß-Elementen in seinem Film als Stilmittel zu verwenden. Leider wirken gerade diese Wechsel oft etwas unmotiviert. Jedoch ist dies der einzige Kritikpunkt am ansonsten sehr packenden Werk.
Nach der feierlichen NRW-Premiere im Kölner Cinenova konnte das Publikum mit der peruanischen Schriftstellerin Teresa Ruiz Rosas über die aktuelle Lage in Peru, über den Film, seinen politischen Hintergrund und den jungen Regisseur diskutieren. Dieser wäre gern selbst nach Deutschland gekommen, jedoch gab es wohl Visa-Probleme. Immerhin erfuhr man auf diesem Wege etwas mehr über den 26-Millionen-Einwohner-Staat, in dem allein 10 Mio. Menschen in der Hauptstadt Lima leben, wo auch der Film spielt.



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