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Feb 2008
06
Jason Reitman: Juno (USA 2007) (gesehen am 29.01.2008, Sneak-Preview Münster, Ingo)

Wie toppt man den Überraschungserfolg seines Regie-Debüts? Nur mit einem gänzlich anderen Thema für den Nachfolger und am besten noch mit einem Genrewechsel. Im Jahr 2006 hat Jason Reitman, Sohn des Regie-Altmeisters Ivan Reitman, dem Kinopublikum mit dem Überraschungserfolg „Thank You For Smoking“ die hohe Kunst des Lobbyismus näher gebracht. Mit seiner gekonnten Regie und einem überzeugenden Aaron Eckhard an seiner Seite hat er erstmalig bewiesen, dass zum einen der Apfel nicht weit vom Stamm fällt und zum anderen, er ein hervorragender Schauspiel-Regisseur ist.

Wie im Fall von „Thank You…“ steht und fällt auch „Juno“ mit dem hervorragenden Drehbuch und der überzeugenden Hauptrolle, in diesem Fall ist es die junge Ellen Page, die trotz einiger kleinerer Nebenrollen und einer überzeugenden Leistung in „Hard Candy“ (2006) noch nicht weiter aufgefallen war. Hier geht es um das Thema ungewollte Schwangerschaft, allerdings ohne den üblichen „Hollywood-Zuckerguss“ und moralischen Zeigefinger. Juno war der Überraschungserfolg im letzten Jahr in den USA. Der Schauplatz der „Dramödie“ ist Minneapolis, genau richtig für eine Geschichte rund um dieses Thema. Im Laufe der Geschehnisse wird ein ums andere Mal das sog. „liberale Amerika“ bloßgestellt, denn dem überzeugende Drehbuch der Ex-Bloggerin und Nackttänzerin Diablo Cody glückt die Gratwanderung zwischen Betroffenheit und Humor, weil es unverblümt genau da ansetzt, wo andere wegschauen.

Juno (Ellen Page) ist erst 16 Jahre alt, schwanger und will ihr Kind um jeden Preis austragen. Weil sie aber das Kind nicht behalten will, sucht sie nach einem Ehepaar (Jenniger Garner und Jason Bateman), das ihr Kind adoptiert. Juno ist neugierig, besucht das Ehepaar und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Juno freundet sich mit dem Ehemann Mark an, eine Tat, die das scheinbar glückliche Paar vor eine Zerreißprobe stellt. Im weiteren Verlauf der Geschichte bekommt jeder „sein Fett weg“, auch und vor allem der Erzeuger des Kindes. „Es geht um Verantwortung“ schreit es förmlich aus jeder Szene.
Und der sehr sehenswerte Film ist der beste Beweis dafür, dass man auch mit noch so wenig Geld einen Überraschungshit landen kann, wenn das Drehbuch nachvollziehbare Dialoge bereit hält, der Cast überzeugt, die Musik (Kimya Dawson) stimmig und einfühlsam eingesetzt wird und man auch vor schwierigen Themen nicht zurückschreckt. Bitte mehr davon!
Der Film startet am 20.03. in den deutschen Kinos.



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