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Okt 2013
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Im Wettbewerb 15. Filmfestival Münster – „Die Erfindung der Liebe“ von Lola Randl

Plakat Erfindung der LiebeDie Geschichte schlägt mindestens so viele Purzelbäume wie ihr dreijähriger Sohn nach der Premiere in Münster. Also, sowohl ihre eigene Geschichte als auch die ihres Films. Mit „Die Erfindung der Liebe“ ist Lola Randl zur Zeit auf Festivaltour unterwegs. Mit ihrem Sohn Alois. Ihr Spielfilmdebüt „Die Besucherin“ war 2009 ein Liebling auf vielen Festivals. Und das Publikumsfestival in Münster hat sie für ihren zweiten Film (auch) deshalb ausgewählt, weil der Produzent des Films, Herbert Schwering, Münsteraner ist. Dessen breite Schultern waren in den letzten Monaten und Jahren besonders gefragt. Denn er musste zusammen mit der Regisseurin und dem Team einen Schicksalsschlag verarbeiten, der in vielen Gesprächen vor oder nach dem Film gerne als der „Super-GAU“ bezeichnet wird.

Im Alter von nur 26 Jahren stirbt die Hauptdarstellerin. Die sehr talentierte Maria Kwiatkowsky erleidet nach dem 20. Drehtag einen Herzinfarkt. Das Team: geschockt. Die Produktion wurde bis auf „unbestimmte Zeit“ unterbrochen. Ein Jahr lang ruhte der Dreh. Die Auseinandersetzungen mit der Versicherung dauern noch an. In ihrer Schwangerschaft hat die Münchnerin die Geschichte umgeschrieben und das Projekt weiterentwickelt, die bereits abgedrehten Szenen sollten im neuen Film auftauchen. Sie entschied sich für eine Film-im-Film-Geschichte.

Team Erfindung der Liebe Filmfestival Münster 2013

Photo: Filmfestival Münster 2013

Ursprünglich sollte Maria Kwiatkowsky den weiblichen Part eines Gauner-Pärchens übernehmen, das eine reiche kranke Unternehmerin (Sunnyi Melles) per Heiratsschwindel um ihr Geld prellt. In „Die Erfindung der Liebe“ geht es nun also um die Dreharbeiten zu einem Film, in dem ein mittelloses Gauner-Pärchen eine reiche Unternehmerin um ihr Geld prellt. Als die Hauptdarstellerin stirbt, soll ausgerechnet eine Praktikantin ihre Position einnehmen. Ein zunächst für alle Beteiligten beruhigender Coup. Dieser löst jedoch nach und nach allerhand Liebes-Verwicklungen aus, so dass die Grenzen zwischen Realität und filmischer Fiktion immer mehr verschwimmen.

 

Der Clou des Films sind nicht nur die geschickt eingebauten „Originalszenen“, sondern die zusätzlichen Geschichten rund um das Team und die Dreharbeiten zum „neuen“ Film. Sehr wahrscheinlich könnte die ein oder andere Geschichte sich tatsächlich so oder so ähnliche abgespielt haben? Mit der Zeit wird es jedoch zunehmend schwerer, dem Reigen, der stets haarscharf an der Klamotte entlang streift, zu folgen. Drama, Komödie, Liebesspiele… Hatten wir das nicht alles schon in den 90ern? „Kai Raabe gegen die Vatikankiller“ und Co.? Sei´s drum. Mit dieser Geschichte ist Lola Randl ein beeindruckender Film-im-Film gelungen. Dieser besitzt zwar nicht die Intensität ähnlicher Beiträge aus jüngster Zeit, wie beispielsweise Aron Lehmans herausragendem „Michael Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“, liefert aber als Eröffnungsfilm die nötige Portion seichter Unterhaltung, die ein Oberbürgermeister, Kultusminister und zahlreiche Gäste aus Kunst und Kultur an so einem Abend gut vertragen können.

  



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