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Mrz 2006
11
Gregor Schnitzler: Die Wolke (D 2005) (gesehen am 11.03.2006, Preview in Münster, Christian)

Ich gehöre zu den wenigen, die Gregor Schnitzlers „Soloalbum“ für eine gelungene Romanverfilmung halten und war demnach sehr gespannt, wie der Regisseur von zahlreichen TV-Serien Gudrun Pausewangs Millionen-Bestseller „Die Wolke“ umsetzen würde. Münster bot an diesem Nachmittag einen roten Teppich mit allem Drumherum für Hauptdarsteller und Beteiligte. Der Concorde Filmverleih gibt sich große Mühe mit einer ausreichenden medialen Präsenz seines neuesten Filmes. Und sie können es beruhigt angehen, wie ich finde, denn der Film ist gut. Sehr gut sogar.

Wie bei so vielen Filmen des Katastrophenfilmgenres baut sich auch hier die Spannung vor dem Hintergrund einer jungen Liebesgeschichte auf. Paula Kalenberg und Franz Dinda (den man vielleicht noch aus der charmanten 80er-Jahre Kömödie „Am Tag als Bobby Ewing starb“ kennt) verkörpern das junge Paar Hannah und Elmar. Beide schwitzen im selben Klassenraum über eine Klausur, als die Schulsirene ertönt. Ein benachbartes Atomkraftwerk hat einen Unfall gemeldet. Doch nicht nur das, eine atomare Wolke steuert direkt auf das kleine Städtchen zu. Chaos bricht aus. Was an dieser Stelle eine ungelenk inszenierte Hollywood-Kopie eines Katastrophenszenarios hätte werden können, betrachtet Gregor Schnitzler gekonnt mit dem richtigen Blick für Ablauf und Psychologie. Man kann sich an dieser Stelle lebhaft die Anstrengungen vorstellen, mit denen die Verantwortlichen einer ganzen Ortschaft das Chaos vor, während und nach einem Super-Gau vermitteln mussten. Nach einem harten Schnitt, verschiebt Schnitzler die Dramaturgie in ein Krankenhauszimmer. Anhand fiktiver Fernsehbilder auf einem Stationsfernseher wird das weitere Ausmaß der Katastrophe weiter beleuchtet. Die Liebesgeschichte zwischen Hannah und Elmar findet in dem Krankenhauszimmer ihre Fortsetzung. Nach zwei dramaturgisch überzeugenden Akten gelingt auch dieser dritte Akt dem erst vierzigjährigen Regisseur eindrucksvoll. Auch wenn es einigen Szenen manchmal an Glaubhaftigkeit mangelt, ist „Die Wolke“ ein mitreißender und wichtiger Film geworden. So wichtig, das man ihm am Ende sogar die plakative Aufzählung der AKW-Störfälle aus dem letzten Jahr verzeiht. Das ist wieder Hollywood und das hat Schnitzler gar nicht nötig. Sehenswert.



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