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Jan 2006
30
Gernot Roll: Räuber Hotzenplotz (D, 2005) (gesehen am 30.01.2006 in Köln, Pressevorführung, Regina)

„Na, da hat sich Nicola Piovani ja nicht gerade überarbeitet“, war das Erste, was die Kollegen nach der Pressevorführung vernehmen ließen. Stimmt: Der ansonsten sehr rege italienische Filmkomponist und Oscar-Preisträger („Das Leben ist schön“) hat für „Räuber Hotzenplotz“ ein Thema geschrieben – und das wird 94 Minuten in der Endlosschleife gedudelt und sogar unter die Dialoge gemischt. Gerade so, als könnten die Kids von heute keine zwei Minuten Ruhe mehr ertragen. Wilde und hektische Schnitte passen da ins Bild. Wer noch nicht hibbelig ist, wird es sicher werden. Wovon das alles ablenken soll, fragt sich der mehr oder minder erwachsene Betrachter. Mit Armin Rohde als Hotzenplotz, Rufus Beck als Zauberer Zwackelmann, Christiane Hörbiger als Großmutter und Katharina Thalbach als Frau Schlotterbeck hat man eigentlich eine sehr gute Schauspielerriege versammelt. Und sogar Piet Klocke passt wunderbar in die Rolle des leicht hektischen Wachtmeisters Dimpfelmoser. Warum alle mehr chargieren als spielen und versuchen, dem Ganzen penetrant einen Comic-Charakter aufzudrücken, ist unklar. Da hat wohl wieder einer kindgerecht mit Lachnummer verwechselt. Dagegen spielen die beiden jungen Darsteller von Kasperl und Seppel mit dem heiligsten Ernst, den man sich vorstellen kann. Frau Schöneberger versucht sich im „hübsch aussehen“, hat aber schauspielersich nun wirklich nichts zu bieten – weder ernst noch als Parodie ihrer selbst. Eine schlimme Fehlbesetzung, die auf der nach unten offenen Überflüssigkeitsskala nur von den grottenschlechten Animationen und ständigen „Bings“ und „Boings“ und „Uiiis“ getoppt wird.

Das Drehbuch versteht es leider nicht ganz, aus den verschiedenen „Hotzenplotz“-Büchern Otfried Preußlers eine Einheit zu formen. Als man schon denkt, es sei Schluss, heben die Autoren Limmer und Hant noch mal an und beginnen eine neue Episode. Immerhin schafft es Gernot Roll an Kamera und Regiepult, sehr schöne Bilder zu zaubern, die von einer Farbintensität sind, wie man sie zuletzt bei „Charlie und die Schokoladenfabrik“ oder unter Zuhilfenahme verschiedener Drogen sah. Die Plastiksonnenblumen gleich im ersten Bild sind da verzeihlich.

Fazit: Zwischen sehr originellem Vorspann und dem wohl unvermeidlichen Hotzenplotz-Song am Schluss nur hektisches Gekaspere. Dieser Neuverfilmung hätte es nicht unbedingt bedurft. Der Film startet am 23. März in den deutschen Kinos.



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