AKTUELL IM KINO

Ganz grosse Oper

Gestartet am 01. Juni muss diese Dokumentation an dieser Stelle noch eine kurze Erwähnung finden. In der Hoffnung, dass sie in irgendeinem Programmkino in deiner Stadt noch läuft. Denn „Ganz große Oper“ gehört sicherlich in die Kategorie: Kino, das klüger macht. Auch für Nicht-Kultur-Fans übrigens und auch wenn die Initiatoren hinter diesem Projekt alles andere als unvoreingenommen sind und waren, vor allem was ihr Motiv betraf.

Die Initiatoren oder vielmehr DER Initiator hinter „Ganz große Oper“ ist Toni Schmid. Toni Schmid ist Ministerialdirigent in Bayern und stellt hier ein Institut für Edelkunst vor, das er selbst als Top-Beamter des Kultusministeriums mit-dirigiert. Journalistische Distanz – Fehlanzeige. Ist das legitim? Darüber soll sich jeder seine eigenen Gedanken machen.

Durch seine „Nähe“ zum vorgestellten Institut, in diesem Fall ist es die Münchner Staatsoper, bekommt Schmid natürlich einen ganz anderen Blickwinkel aber auch einen ganz anderen Zugang – auch zu den Verantwortlichen. So fehlen weder einige nette Anekdoten und sympathische Statements von Star-Tenor Jonas Kaufmann über „seine Staatsoper“, noch unterhaltsame Rückblicke von ehemaligen Intendanten wie Sir Peter Jonas oder deren Dirigenten wie Zubin Mehta.

Die Herangehensweise mit dem bekannten Wechsel von ruhigen Kamerafahrten und einigen „Head-to-head-Interviews“ ist auch alles andere als innovativ und dürfte einigen Dokumentarfilmfreunden sogar bekannt vorkommen. Zumindest denjenigen, die Dokus wie beispielsweise „National Gallery“ oder „Crazy Horse“ lieben und schätzen. Denn wenn es um Dokumentarfilme geht, die eine Institution (Museum, Balletthaus, etc.) zum Thema haben, dann ist sicherlich der mehrfach ausgezeichnete US-Amerikaner Frederick Wiseman das aktuelle Maß der Dinge. Wiseman, und das ist unbestritten, ist ein stiller Beobachter mit seiner Kamera, ein freundlicher Fragensteller, der selten eine falsche Einstellung wählt.

Der nur wenig jüngere, mittlerweile weit über 60-jährige Ministerialdirigent des Bayerischen Kultusministeriums Toni Schmid, der sich selbst als „Hobbyfilmer“ bezeichnet, muss sich die Filme von Wiseman sehr genau angeschaut haben. Denn die großzügig vom Bayerischen Rundfunk unterstützte Dokumentation über die Bayerische Staatsoper ist auch so eine Doku, die in erster Linie Lust auf einen Besuch der vorgestellten Institution macht. Das ist vordergründig nicht schlecht. Und atmet erkennbar den Geist einer Auftragsarbeit, erfüllt aber mehr als seinen Zweck voll und ganz: Die Dokumentation macht Lust auf Oper – und das höchst professionell.

 

 

 



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