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Feb 2013
04
„Fünf Freunde 2“ von Mike Marzuk

Freitagnachmittag. Zeugnisnachmittag. Das Kino ist für diese Zeit ungewöhnlich gut gefüllt. Nur 4,50 Euro kostet die Eintrittskarte. Als Alternativen laufen „Die Vampirschwestern“, „Sammys Abenteuer 2“ oder der Animationsfilm „Ralph reichts„. Aber Enid Blyton soll es sein. Die Mehrzahl der anwesenden Schülerinnen und Schüler zwischen 8 und 14 Jahren dürften, wenn überhaupt, nur wenig mit den Romanen rund um die „Fünf Freunde“ anfangen können. Auch wenn die meisten Bücher bereits über 50 Jahre auf dem Buckel haben. Oder gerade deswegen? Rund ein Viertel von den weltweit über 100 Millionen Exemplaren wurden allein in Deutschland verkauft. Wesentlich mehr der etwa 150 Schülerinnen und Schüler (und wenige anwesende Mütter) dürften aber den ersten Teil der „Fünf Freunde“-Verfilmung kennen. Schließlich hatte dieser (fast genau ein Jahr zuvor) im deutschsprachigen Europa insgesamt mehr als 1 Millionen Besucher in die Kinos gelockt.

Unter dem Motto „Never change a winning team“ ging die SamFilm Produktion nach ihrem mehrfach ausgezeichneten Erstling („Golden Sprocket“, „Goldener Greiff“, „Golden Slipper“) mit dem Original-Team erneut ans Werk und setzte abermals auf die kindgerechten, typisch deutschen Ingredienzien für einen Kinderfilm: Abenteuer (evtl. rund um einen McGuffin), tolpatschige Ganoven, Teamplay an schönen Locations, angereichert mit antiquierten Familienkonstellationen. Mit diesen Elementen hatten bereits ähnliche Filme aus dem Hause SamFilm, wie etwa die sehr erfolgreiche „Die wilden Kerle“-Reihe, für sehr viel Heiterkeit unter den Kleinen und volle Kassen für die Verantwortlichen gesorgt.

Also wurde kurzerhand die Enid Blyton-Handlung von England ins schöne Mecklenburg-Vorpommern bzw. Bayern verlegt und die Handlung um eine „schwierige“ Vater-Sohn-Geschichte erweitert. Zudem muss auch für die Charakterzeichnung der Hauptdarsteller im zweiten Teil der „Fünf Freunde“ eine prägnante Eigenschaft ausreichen. Diese kleinen Verfremdungen wären nicht allzu schlimm, würden die Nebendarsteller ihre Rollen nicht stets bis zur Karikatur ihrer selbst überzeichnen. Dabei reicht die Bandbreite von lauten Fürzen über ständiges Stolpern bis hin zum übertriebenen Echauffieren über beispielsweise stinkende Socken. Auch an diesem Nachmittag lachten die jungen Kinobesucher am lautesten über die Scherze der Nebenfiguren, ganz besonders über die von Fil, dem älteren der Gauner-Brüder, dargestellt von Oliver „Keek“ Korittke. Ihm gelingt für erfahrene Blyton-Fans jedoch in den seltensten Fällen die Gratwanderung zwischen Figur und Karikatur. Denn Furcht, Schrecken oder gar ein wenig Angst war an diesem Nachmittag in fast keinem Gesicht der Kinder abzulesen.

Trauen die Verantwortlichen deutscher Kinderfilme unseren Kindern zu wenig zu? Eindeutig Ja! Denn die schaurig-schönen Geschichten aus den Büchern und vielmehr von den deutschen Hörbüchern werden im deutschen Simplifizierungs-Wahn für das vorletzte Glied der Verwertungskette, der Kino-Auswertung, der Lächerlichkeit preisgegeben. Warum schafft es keine Produktionsfirma eine so hervorragende Umsetzung hinzubekommen wie die der britischen BBC-Serie „The Famous Five“ (1979), die immer mal wieder den Geist der Blyton-Bücher exakt auf den Bildschirm brachte?

Denn bei allem Verständnis für die kindgerechte Aufarbeitung, wie schon im ersten Teil übertreibt es das Team um Peer Klehmet, Sebastian Wehlings (Drehbuch) und Regisseur Mike Marzuk gewaltig mit der Vereinfachung der Vorlage. Der klägliche Rest an Krimi-Atmosphäre wird von überambitionierten Darstellern schlichtweg „weggespielt“. Vielleicht sagt diesen Darstellern mal jemand, dass der ganz jungen Zielgruppe durchaus mehr zugetraut bzw. zugemutet werden darf.

  

 



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