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Feb 2017
04
From Business to Being

Eine Dokumentation, die mit einer Statistik eröffnet. Das ist nicht neu oder innovativ. Aber die beiden Filmemacher Hanna Hennigin und Julian Wildgruber vertrauen auf die Wirkung des so genannten „stummen Impulses“. Eine Eröffnung, die sich seit den „Nuller-Jahren“ nicht nur in der Methodik des Unterrichtens bei Lehrkörpern an weiterführenden Schulen einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreut. Das wissen anscheinend auch Hennigin und Wildgruber. Ihr stummer Impuls ist eine Statistik, die besagt, dass Fehltage (Arbeitsunfähigkeitstage) wegen psychischer Erkrankungen in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen sind. Und zwar um mehr als 97 Prozent. Während psychische Erkrankungen vor 20 Jahren noch nahezu bedeutungslos waren, sind sie heute zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibung bzw. Arbeitsunfähigkeit. Was tun?

Gleich vorweg: Wer praktische Lösungen für „jedermann“ erwartet (wie beispielsweise in anderen Dokumentationen wie in „10 Milliarden – wie werden wir alle satt?“ oder in „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen„) ist bei Hennigin und Wildgruber falsch. Die beiden Filmemacher besuchten zahlreiche Seminare, Symposien und Tagungen und führten Interviews, mit NeurowissenschaftlerInnen, Coaches und Ex-Managern. Bildlich ist ihre Dokumentation also nicht mehr als eine Aneinanderreihung von Talking Heads. Interviews, die mit beschaulichen Naturimpressionen oder im Zeitraffer beschleunigte Kamerafahrten durch Hochhausschluchten alternieren.

Mit dem stummen Impuls im Hinterkopf und nach dem dritten Interview dürfte also auch der weniger aufmerksame Kinozuschauer gemerkt haben, dass der fleissige Homo oeconomicus am Rande des Nervenzusammenbruchs steht. Warum sich aber ihre Dokumentation dann in Gedanken zu einer Unternehmensphilosophie (der dm-Drogeriemarkt-Kette) verliert, Manager beim „Fokussieren eines Baumes“ in einem Seminar beobachtet werden oder Halbsätze aus einem Symposium rund um das Thema „From Ego to Eco“ eingestreut werden, das sind nicht die einzigen Fragen, die nach den sehr unfokussierten und unausgegorenen 90 Filmminuten unbeantwortet bleiben. Lediglich das sehr persönliche Interview mit einem Investmentbanker, der nach einem Burnout aus seiner sehr gut honorierten Tätigkeit bei Lehman ausgestiegen ist, hat eine längere Halbwertzeit als der Nachhauseweg.

 

 



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