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Jun 2006
06
François Ozon: Die Zeit die bleibt (F 2005) (gesehen am 05.06.2006 in Münster, Christian)

Was für ein Plakat, was für ein Regisseur. Ewig hatte ich den Besuch dieses Films vor mir hergeschoben. Doch an diesem Vormittag sollte es endlich passieren. Pfingstmontag, Sonnenschein, keine idealen Bedingungen für einen Kinobesuch. Egal. Der Name des Regisseurs und die Auflistung der Besetzung, allen voran in einer Rolle: die großartige Jeanne Moreau, müssen jeden Cineasten wie von allein aus den Federn heben.

Im zweiten Teil seiner Trilogie über den Umgang mit dem Tod nach „Unter dem Sand“ zeichnet der französische Regisseur Francois Ozon hier das sehr persönliche und intime Porträt eines unheilbar an Krebs erkrankten jungen Mannes und seine Suche nach der eigenen Wahrheit nach. Ozon, der immer wieder die Francois Truffaut Maxime „Kino ist schöne Frauen schöne Dinge tun zu lassen“ mit wundervollen Filme wie „8 Frauen“ untermauerte, stellt hier einen hippen, schwulen Modephotographen in den Vordergrund seines Filmes, der eines Tages erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist. Im Gegensatz zu anderen Filmen mit ähnlicher Thematik wie zum Beispiel Patrice Chéreaus „Mein Bruder“ oder Isabelle Coixets „Mein Leben ohne mich“ mit ihren sympathischen Protagonisten, ist Ozons Romain kein Sympathieträger, sondern ein arroganter Egomane, der auf den Gefühlen anderer herumtrampelt.

Das Spiel des Hauptdarstellers in eng verknüpft mit dem Gelingen oder Scheitern des Films, doch Melvil Poupauds Präsenz trägt den Film ganz wunderbar als harscher, dann wieder sehr unsicherer und feinsinniger Charakter. Vor allem in den kurzen Szenen mit der Leinwandlegende Jeanne Moreau, die ihm zu keiner Sekunde die Schau stiehlt, blitzt Melvil Poupauds darstellerisches Talent auf und trägt dazu bei, das man diesen Film trotz des wenig spannenden Drehbuchs nicht so schnell vergisst.



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