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Mrz 2009
10
Edward Zwick: Defiance (USA 2008) (gesehen im Februar in einer Preview, Regina)

Vorlage für den Film mit dem Titel „Defiance“, zu Deutsch „Trotz“, lieferte das Buch „The Bielski Brothers: The True Story of Three Men Who Defied the Nazis, Saved 1,200 Jews and Built a Village in the Forest“. In den USA erschienen umreißt es im Groben auch schon die hier erzählte Geschichte. Allein dieses bislang unbekannte Kapitel des Zweiten Weltkriegs ans Licht zu bringen, ist ein großer Verdienst des Buches und nun, mehr noch, auch des Filmes von Edward Zwick („Blood Diamond“). Ob die Umsetzung gelungen ist, ist eine ganz andere Frage. Ich tendiere zu einem entschiedenen „Ja, aber …“

In der vor einiger Zeit gesehenen Originalfassung des Films wird Englisch gesprochen. Englisch mit starkem polnischem Akzent. Hauptakteure sind britische und amerikanische Schauspieler, Kinostars. Das geht in Ordnung, wenngleich unbekannte Gesichter der Authentizität sicher dienlicher gewesen wären. Liev Schreiber kann überzeugen, Jamie Bell fällt nicht weiter auf, aber auf Daniel Craig weiß ich mir keinen rechten Reim zu machen. Mir scheint, er ist bereits in die James-Bond-Falle getappt. Craig auf einem Schimmel feldherrengleich durch das Camp reitend und Pathos blasend setzt dem Ganzen da nur die Krone auf.

Es laufen allerhand Klischeegestalten durch die jüdische Waldgemeinde. Eine grobe Vereinfachung, wird doch nicht weiter groß auf Einzelschicksale und tiefere Charakterisierung der Figuren eingegangen. Obwohl in 137 Minuten Zeit genug gewesen wäre.

Auch die Bedrohung durch die Nazis bleibt über weite Strecken diffus. Was passiert also in reichlich über zwei Stunden FIlm? Ein Kriegsfilm mit mächtig viel Krawumm ist es auch nicht. Es gibt ein bisschen Partisanen-Kampf, kalte Winter, Block-Häuslebau, Nahrungsknappheit, Zwischenmenschliches. Und ganz, ganz viel Bruderzwist. Die beiden Ältesten der Bielski-Brüder (Craig, Schreiber) haben sehr unterschiedliche Ansichten darüber, ob und wie man Deutsche und Kollaborateure bekämpfen sollte.

In einer Flut von Filmen, die zur Nazi-Zeit spielen, ragt „Defiance“ schon wegen des interessanten Themas heraus: Es gab also doch jüdischen Widerstand. Handwerklich ist er sehr gut gemacht, der Score von James Newton Howard ist einer seiner besseren und Joshua Bell fiedelt meisterlich dazu.



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